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Zeckenbisse: Mit Unfallversicherung vorbeugen

Mit steigenden Temperaturen geht auch die Zeckensaison wieder los. Unser Experte Wolfgang Büser gibt an dieser Stelle einige Tipps zu diesem Thema. Einer davon: Mit einer Unfallversicherung sollte vorgebeugt werden!

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Die Zecken sind erwacht – Alte Policen prüfen

Sind „Wann und Wo“ bekannt, gilt ein Stich als „Arbeitsunfall“

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

 

Steigt die Quecksilberstange auf mehr als sieben Grad, sind Zecken wieder aktiv. Und weil ab circa acht Grad auch der Rasen wieder wächst, „lauern“ fortan die kleinen Biester auf uns im Gras. Dass die Bisse gefährliche Bakterien und Viren übertragen können, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass dadurch dauerhafte gesundheitliche Schäden drohen. Deswegen sollte geprüft werden, ob – wenn ein Biss schon nicht verhindert werden konnte – wenigstens der Versicherungsschutz ausreicht.

 

Insbesondere Familien mit Kindern sollten darauf achten, dass das „Risiko Zecke“ im Rahmen der privaten Unfallversicherung abgedeckt ist. Bei neuen Verträgen ist der Zeckenbiss mittlerweile im Regelfall eingeschlossen. Die Umstellung alter Unfallversicherungspolicen geschieht aber nicht automatisch. Die Versicherten sollten sich kümmern sowie für die „Nachrüstung“ einen – wenn auch üblicherweise geringen – Zuschlag bei der Prämie einplanen.

In alten Policen zählten die Folgen einer Borreliose oder Hirnhautentzündung bisher nicht - nach einem Zeckenbiss und etwaigen dauerhaften Schäden gab es weder Krankenhaustagegeld noch eine finanzielle Abfindung oder eine Rente. Die Krankenkassen (gesetzlich und privat) bezahlen die Behandlungen natürlich.

Zeckenstich als Arbeitsunfall?

Interessant ist auch die Frage, ob ein „Zeckenangriff“ (mitsamt der möglichen Folgen) als Arbeitsunfall anzuerkennen ist. Mit dieser Thematik mussten sich Gerichte bereits befassen – bis hin zum höchsten deutschen Verwaltungsgericht.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Fall einer Grundschullehrerin zu behandeln, die auf einer Klassenfahrt von einer Zecke gebissen worden war. Sie wollte den Stich als Dienstunfall anerkannt haben – und konnte sich durchsetzen. Dazu sollte sie allerdings „Tag und Ort des Bisses hinreichend genau festlegen“ können. Das tat sie. Sie konnte darlegen, dass sie während der Beaufsichtigung ihrer Schüler auf einem Bauernhof, den die Klasse für mehrere Tage besucht hatte, gestochen worden ist. Damit habe sich nicht nur ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht, „dem der spezifische Zusammenhang zum Dienst als Lehrerin fehlt“. Weil sie sich aus dienstlichen Gründen im natürlichen Lebensraum der Zecken aufhielt, sei der Stich, der er als Dienstunfall anzuerkennen. (AZ: 2 C 81/08)

Ganz ähnlich der Fall eines Beamten, der für seine Behörde „bauliche Prüfungen“ vorzunehmen hatte (hier an Gebäuden der Bahn) und aus diesem Anlass ein Gelände betreten musste, das mit Gestrüpp und hohem Gras bewachsen war – also einem Ort, „der regelmäßig von Zecken bevölkert wird“. Nach seiner Rückkehr bemerkte der Mann den Stich den er als Dienstunfall deklarierte. Vor dem Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen kam er damit durch, da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit „der Zeckenstich während seines Dienstes“ passiert sei. Dass seine „konkrete Diensthandlung“ nicht unbedingt zu den typischen Tätigkeiten auf seinem Dienstposten gehörte, spiele keine Rolle. (AZ: 1 A 1246/10)

Wie wichtig es ist, genau darzulegen, wann und wo die Zecke zugeschlagen hat, zeigt der Fall eines Polizisten aus Rheinland-Pfalz.

Das Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße machte zwar auch deutlich, dass ein Zeckenstich als Dienst- oder Arbeitsunfall anerkannt werden kann. Aber dazu müsse ein Betroffener „an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nachweisen, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort er befallen wurde. Kann er das nicht, so geht der Antrag auf Anerkennung als Dienstunfall in Leere.

Hier bezweifelte das Gericht zwar die Aussage des Beamten nicht, dass er in dienstlichem Auftrag früh morgens zwischen 2.00 Uhr und 4.30 Uhr das Umfeld eines Autobahnrastplatzes mit Waldbestand und zwei bis drei Meter hohen Büschen auf Betäubungsmittel zu durchsuchen hatte. Den anschließend von ihm festgestellten Zeckenstich am linken Oberschenkel hätte er sich aber auch zu einer anderen Zeit zuziehen können, etwa einige Tage vorher, als er sich auf der Terrasse des elterlichen Gartens aufgehalten habe. Es sei bekannt, dass Zecken einige Zeit auf der Haut oder „in der Kleidung verweilen“ könnten. (AZ: 6 K 542/10)

Vor dem Stich ist nah der Impfung...

Vor dem Brandenburgischen Oberlandesgericht ging es nicht um einen Zeckenstich (und dessen Folgen) selbst, sondern um die Impfung, die für den Fall eines Stiches „Schlimmeres“ verhindern sollte.

Was war passiert? Eine Frau ließ sich - wie zuvor schon der Rest ihrer vierköpfigen Familie - gegen die möglichen Folgen eines Zeckenstiches impfen, weil sie in Tschechien an einem Karatelehrgang teilnehmen wollte, dessen Übungen auch im Freien abgehalten werden. Sie verlangte nach der Impfe vom Arzt Schadenersatz und Schmerzensgeld, weil er sie über die möglichen Folgen einer solchen Impfung nicht ausreichend aufgeklärt habe. Es kam nämlich zu einer entzündlichen Reaktion des Gehirns und der Nerven.

Das Gericht nahm es ihr jedoch nicht ab, dass sie – bei sachgerechter Aufklärung durch den Arzt - gegebenenfalls eine Creme oder Sprays verwendet hätte. Denn bei „der Durchführung von Kampfsport im Gras in einem zeckengefährdeten Gebiet ist es nicht nachvollziehbar, dass die Frau, die diese Situation gerade als Anlass für ihren Termin beim Arzt angab, sich auf die Anwendung einer Creme oder eines Sprays beschränkt hätte“. Ihre Ansprüche gegen den Arzt wurden zurückgewiesen. (AZ: 12 U 186/06)