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Werden Ost-Rentner tatsächlich bevorzugt? So wird gerechnet: Das Renten Ost-/West-ABC ist schwer durchschaubar

Werden die Rentner im Osten Deutschlands gegenüber denen im Westen unzulässig bevorzugt? Schlagzeilen der letzten Wochen bestätigen diese Vermutung. Und für manche Rentenbezieher stimmt das – aber nicht für alle. Der komplizierten Reihe nach:

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Ausgangspunkt für die Höhe der Renten sind unter anderem die während des Erwerbslebens gezahlten Beiträge der gesetzlich Rentenversicherten. Und die richten sich nach der Höhe der Verdienste. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Verdienste im Osten nach wie vor um etwa 15 Prozent hinter denen im Westen herhinken. Jedenfalls im Durchschnitt. Und da liegt der Hase im Pfeffer.

Das Gesetz sieht wegen der bei den Verdiensten (durchschnittlich) benachteiligten Ostbürger einen Ausgleich bei der Berechnung ihrer Renten vor. Und der sieht so aus: Die im Osten erzielten Durchschnittsverdienste werden um einen Faktor erhöht, der mit 1,1717 festgelegt ist. Das ergibt eine (durchschnittliche) Erhöhung der Ostverdienste um etwa 17 Prozent.

Diese Erhöhung erhalten aber nicht nur diejenigen Arbeitnehmer, die weniger verdienen als die Westler, sondern auch solche, die genau so viel (oder sogar mehr) auf ihrem Gehaltsstreifen haben als ihre westdeutschen Kolleginnen und Kollegen im Arbeitsleben. Das ist der Vereinfachung geschuldet, weil es nicht möglich ist, jeweils individuell einen „Ausgleichsfaktor“ zu bestimmen.

Nun ist das aber noch nicht das Ende der Berechnungs-Fahnenstange. Das Ergebnis aus der 1,1717-Erhöhung wird dann mit dem sogenannten aktuellen Rentenwert multipliziert. Der beträgt im Westen 100 Prozent, im Osten aber nur 93 Prozent (und wird stufenweise im Laufe der Jahre auf 100 % angehoben, sobald in Ost und West gleiche Durchschnittsverdienste zu verzeichnen sind). Das Ergebnis aus der 17prozentigen Bevorzugung (siehe vor) wird also im Osten mit 93 statt 100 Prozent malgenommen, was den 17-Prozent-Vorteil wieder ein wenig herunterschraubt – aber eben nicht vollständig.

Da auch dieser Rechenweg auf alle Rentenberechnungen vorgenommen wird, also den „Durchschnitt“ widerspiegelt, reduziert er den oben geschilderten Vorteil (durch die 1,1717-Rechnung) wieder ein wenig. Untern Strich bleibt aber bei den Ostdeutschen, die ebenso viel verdienen wie die Westdeutschen, immer noch eine um etwa 8,5 Prozent höhere Rentenanpassung.

Interessant in diesem Zusammenhang: Schon im Jahr 2009 wurden die aufgezeigten Differenzen mit derselben Argumentation begründet. Und dazu verlautbart, dass die Bevorzugung der Ostrentner 20 Jahre nach der Wende zu einem Problem werde. Die Bundesregierung wolle „das Problem angehen“: „Wir führen in dieser Legislaturperiode ein einheitliches Rentensystem in Ost und West ein“, stand im Koalitionsvertrag – ein lapidarer, nicht eingelöster Satz...