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Wer Flüchtlinge privat aufnehmen will: „Untervermietung“ klären Der Mietvertrag sieht (fast) wie immer aus

Nicht nur Städte, Gemeinden und gemeinnützige Organisationen suchen händeringend nach Wohnraum für die Flüchtlinge. Mehr und mehr kommen Angebote von Privaten – seien es Besitzer mehrerer Häuser, die zur Zeit noch leer stehen, seien es Privatleute, die Zimmer oder ganze Etagen aus ihrem Eigentum an Syrier & Co vermieten möchten. Nicht zu vergessen Vereine und Kirchen - und natürlich die professionellen Vermieter.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Mietverhältnisse auf dieser Basis kommen nicht über den Anzeigenteil der Zeitungen oder im Internet zustande. Anlaufstellen für private wie professionelle Vermieter sind die Sozialbehörden am Ort. Aber auch in Begegnungsstätten und Flüchtlingsberatungsstellen können Bürger „mit Wohnraum“ mit potenziellen Mietern zusammengebracht werden.

Solange der Status eines Flüchtlings noch nicht geklärt ist, sind nur Mietverträge mit der kommunalen Behörde möglich. Hier geht es regelmäßig um noch nicht anerkannte Flüchtlinge, die in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, beispielsweise in einem leerstehenden Hotel oder einer Gaststätte mit „Feiersaal“. Es heißt, dass private Vermieter hier „gute Geschäfte“ machen (können), etwa auf den Quadratmeterpreis bezogen, wenn Familien untergebracht werden. Denn die Kommunen bezahlen nicht selten Pauschalen „pro Kopf“.

Flüchtlinge, deren Anträge bewilligt wurden, können normale Mietverträge mit ihren Vermietern – ob professionell oder „Privatier“ – abschließen. Handelt es sich nicht um Selbstzahler, so tritt die Kommune an deren Stelle. Sie richtet sich allerdings nach den Miethöchstgrenzen für die jeweilige Ortschaft; denn das normale Mietrecht mit seinen „ortsüblichen Vergleichsmieten“ gilt auch hier. Sind private Vermieter bereit, die Gäste kostenlos bei sich wohnen zu lassen, so kann überlegt werden, das Amt etwa für eine Erstausstattung von Zimmern sowie laufende Kosten zu kontaktieren.

Und wenn ein Mieter mit großzügig bemessener Wohnung einen Flüchtling – als Untermieter, vielleicht auch mietfrei – bei sich aufnehmen will? Allzu eilige Hilfsbereitschaft könnte Ärger mit dem Vermieter bringen. Denn der ist der Herr des Geschehens in seinen Wohnungen. Wer rechtzeitig Kontakt mit ihm aufnimmt, der dürfte regelmäßig nicht auf Vorbehalte stoßen. Einen Flüchtling allerdings als „Besuch“ zu bezeichnen, erscheint wenig überzeugend.

Die Befürchtung mancher Haus- oder Wohnungsbesitzer mit großzügigen Abmessungen, vielleicht zwangsweise verpflichtet zu werden, Flüchtlingen im wahren Sinne des Wortes „Asyl zu gewähren“, ist unbegründet. „Den vielen in Deutschland Schutz suchenden Flüchtlingen angemessenen Wohnraum anzubieten, ist eine große Herausforderung. Diese wollen wir gemeinsam mit den Kommunen anpacken und dabei weiter auf Freiwilligkeit setzen“, so Kai Warnecke von Haus & Grund Deutschland. Leer stehende Wohnungen, die dafür hätten infrage kommen können, wird es ja bald ohnehin kaum noch geben...