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Wenn die Freundin der Tochter mit in Urlaub fliegt: Wer haftet, wenn etwas „passiert“?

Viele Kinder würden gerne eine Freundin oder einen Freund mit in den Urlaub nehmen um einen Spielkameraden zu haben. Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser erläutert, wie im Fall der Fälle die Haftung aussieht, wenn dem Speilkameraden im Urlaub etwas passsiert.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen. Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite. Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Wenn die Freundin der Tochter mit in Urlaub fliegt:

Wer haftet, wenn etwas „passiert“?

 

 

  Eltern haben die „Aufsichtspflicht“ über ihre Kinder. Das heißt: Sie haben dafür zu sorgen, dass ihre Kinder nichts „anstellen“, was anderen einen Schaden zufügen könnte. Haben Sie ihre diesbezügliche Pflicht erfüllt und geschieht dennoch ein Malheur, an dem ihr Kind die Schuld trägt, so kommt es auf das Alter des Kindes an, ob ein Schadenersatzanspruch gegen das Kind oder die Eltern (beziehungsweise ein Elternteil) geltend gemacht werden kann.

 

  Denn Kinder sind in ihren ersten sechs Lebensjahren „nicht schuldfähig“, brauchen rechtlich also auch keinen Schadenersatz zu leisten. In diesen ersten Lebensjahren haben die Eltern besonders auf ihre Sprösslinge aufzupassen, also ihre Aufsichtspflicht zu erfüllen („ausreichend aufzupassen“). Vom siebten Lebensjahr der Kinder an steigt kontinuierlich deren „Einsichtsfähigkeit“ – und damit ihre Pflicht, gegebenenfalls einen Schaden ersetzen zu müssen. Erst ab „18“ ist in der Regel jeder für sich selbst verantwortlich.

 

  Geben Eltern ihr Kind einer Freundin mit in deren Urlaub, damit das eigene Töchterchen oder der Sohnemann an Ort und Stelle gar nicht erst nach „Kontakten“ suchen muss, so übertragen sie damit zugleich die ihnen obliegende Aufsichtspflicht auf die Freundin. Das bedeutet: Die Freundin muss aufpassen, dass die Spielkameradin oder der Spielkamerad ihres Kindes niemandem einen Schaden zufügen. Und umgekehrt, dass ihr kleiner Gast selbst keinen Schaden nimmt, weil sie als „Aufsichtsperson“ nicht aufgepasst hat.

 

  Man denke nur an einen Unfall beim Schwimmen bei hohem Wellengang. Oder an einen Unfall im Freizeitpark. Wohl dem, der im Falle eines Falles eine Privathaftpflichtversicherung hat – nämlich wenn es ernsthaft um die Frage geht, ob die Ersatzmama wegen einer Verletzung des Kindes schadenersatzpflichtig ist oder weil das Kind „etwas angestellt“ hat.

 

  Empfehlenswert ist es, sich von den Eltern eine unterschriebene Vollmacht mitgeben zu lassen, womit zum Beispiel an Grenzübergängen Ärger vermieden werden kann (wer’s ganz genau nimmt: mit einer notariellen Bestätigung). In der sollte der Reisezeitraum unbedingt eingetragen sein. Entsprechende Vordrucke für die Übertragung eines solchen Erziehungsauftrags bietet auch das Internet.

 

  Bei Fahrten ins Ausland kann es natürlich nicht schaden, dass die Vollmacht in der Landessprache – zumindest in Englisch - ausgestellt ist. Die Krankenversicherungskarte sollte ebenfalls nicht fehlen, ferner (nicht nur für den Notfall) sämtliche Telefonnummern der Eltern daheim und am Arbeitsplatz. Schließlich könnte die Urlaubsbegleitung ja mal Heimweh bekommen...