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Wenn der Nachbar ein scharfer Hund ist: Auch vor Haustieren verschließt Justitia die Augen nicht

Ob Nachbars scharfer Rüde, ein Wellensittich im Koma oder ein kastriertes Meerschweinchen: Den Richtern ist nichts fremd. Interessante Haustier-Urteile.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

 

 

Selbst der beste Freund des Menschen macht manchmal Kummer. So wie der Mischlingsrüde, der großes Gefallen an der Rassehündin in Nachbars Garten fand und sie „unkontrolliert“ begattete.

 

Die Eigentümerin der Hundedame fand das nicht sexy und zerrte den Besitzer des Rüden insbesondere deswegen vor Gericht, weil sie ihn zuvor mehrfach darum gebeten hat, auf den steilen Hund Acht zu geben.

 

16.000 Euro verlangte sie dafür, dass sie nach der ungewollten Schwangerschaft eine Abtreibung durchführen ließ, in deren Verlauf bedauerlicherweise die Gebärmutter der "Vierbeinerin" entfernt werden musste. Damit platzte der Traum von der Hobbyzucht. Die verhinderte Züchterin rechnete einen Verlust von 16.000 Euro vor.

 

Das Landgericht Coburg stellte zwar grundsätzlich einen Schadenersatzanspruch fest - konnte die Frau jedoch zu einem Vergleich bewegen, sich mit 500 Euro zufrieden zu geben. (AZ: 11 O 185/13)

 

Wenn ein Hufschmied dem Pferd weh tut

 

Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass die gesetzliche Tierhalterhaftung nicht dadurch entfällt, dass sich ein Hufschmied freiwillig einer gesteigerten Gefahr aussetzt, wenn er einem Pferd die Hufe beschlägt.

 

Der Halter des Pferdes müsse auch dann haften, wenn es gut sein könne, dass der Schmied dem Pferd beim Beschlagen „Schmerzen zugefügt“ und damit das Austreten selbst veranlasst habe. Das konnte jedoch nicht bewiesen werden.

 

In dem Fall wurde der Hufschmied durch einen Tritt so schwer verletzt, dass er seinen Beruf aufgeben musste. Der Forderung nach Schadenersatz und Schmerzensgeld (insgesamt verlangte er mehr als 120.000 Euro sowie eine Rente) erfüllte das Gericht grundsätzlich. Die exakte Höhe müsse jedoch die Vorinstanz ermitteln. (AZ: 14 U 19/14)

 

Katze(n)klo

 

Zwei Katzen eines Mieters haben über Jahre die Wohnung - trotz eines „Katzenklos“ - an mehreren Stellen durch ihr "Revierverhalten" in Mitleidenschaft gezogen. Teppiche und Bodenbeläge waren bis ins Mauerwerk angegriffen. Beim Auszug verlangte der Vermieter, dass die fällige Renovierung zumindest zum Teil vom Mieter ersetzt wurde. Das ergebe sich unter anderem aus der im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelten Haftung von Tierhaltern. Das Amtsgericht Bremen sah das ähnlich und sprach dem Wohnungseigentümer 1.500 Euro Schadenersatz zu. Auf einem – sogar größeren – Teil blieb der Vermieter jedoch sitzen, weil der Boden bereits so alt gewesen ist, dass er ohnehin habe erneuert werden müssen. (AZ: 19 C 479/13)

 

Armes (Meer-)Schwein

 

Auch wenn die Eigentümerin eines Meerschweinchens sicher ist, dass der Tierarzt bei der Kastration des Nagers einen Fehler gemacht hatte, und stirbt das Tierchen nur elf Tage nach dem Eingriff, so kann sie dennoch keine Entschädigungszahlung durchsetzen. Könnte es nämlich auch sein, dass die Halterin nach der Operation bei der „Nachbehandlung“ zu Hause in Sachen Hygiene und Wundversorgung Fehler gemacht hat und darin der Grund für den Tod des Tieres liegen könnte, so wird es nichts mit dem Schadenersatzanspruch. Das Amtsgericht Hannover konnte nicht zweifelsfrei feststellen, dass der Tierarzt die Schuld an dem Tod trug. (AZ: 565 C 11976/14)

 

In aller Kürze:

 

Auch wenn ein Sittich „im Koma“ auf dem Beifahrersitz liegt, darf sein Halter und Autofahrer auf dem Weg zum Tierarzt nicht das vorgeschrieben Höchsttempo überschreiten. (OLG Düsseldorf, 2 Ss OWi 97/90)

 

Igel dürfen in Mietwohnungen weder gepflegt noch vorübergehend gehalten werden. (AmG Berlin-Spandau, 12 C 133/14)

 

In einem reinen Wohngebiet müssen Papageien die Flatter machen.  (OVG für das Land NRW, 2 B 1196/13). Nach einer Scheidung sind sie -  während der Ehezeit angeschafft – wie Hausrat aufzuteilen. (OLG Celle, 15 WF 44/09)

 

Frettchen dürfen als Kleintiere in Mietwohnungen gehalten werden – aber nur im Käfig. (AmG Berlin-Neukölln, 2 C 340/11) Das gleiche gelte im Prinzip auch für Ratten. Jedoch könnten die bei Mitmietern Ekelgefühle hervorrufen - was ein Verbot seitens des Vermieters erlaube. (LG Essen, 1 S 497/90)

 

Auch wenn die mehr als 100 Kaninchen, Mäuse und Vögel in der Eigentumswohnung einer Frau nicht riechen, können die Miteigentümer den Privatzoo untersagen lassen. (OLG Köln, 16 Wx 134/95)