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Welche Versicherungen sind für einen Azubi sinnvoll?

Versicherungen die für Auszubildende relevant sind

Bald ist es wieder so weit. Nach den Sommerferien startet für viele junge Menschen die Ausbildung und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Damit auch alles geregelt ist, sollte sich jeder angehende Azubi vorab mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen. Es gibt viele unterschiedliche Versicherungen von zahlreichen Anbietern und nicht jede ist für einen Auszubildenden sinnvoll. So kann z. B. bei einigen Versicherungen auch weiterhin ein Versicherungsschutz über die Eltern bestehen. Andere Versicherungen werden erst nach Abschluss der Ausbildung relevant. Welche Versicherungen tatsächlich für einen Auszubildenden sinnvoll sind hat Wolfgang Büser für Sie zusammengefasst.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen. Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite. Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Nachfolfgend hat Wolfgang Büser alle wichtigen Informationen zum Thema Versicherungsschutz für Auszubildende für Sie zusammengefasst:

Zahlreiche Versicherungen für frisch gebackene Azubis:

Manchmal ist der Schutz sogar komplett kostenlos

Dass man sich ganz schön anstrengen muss, um den „Ernst des Lebens“ beginnen zu können (sprich: eine Ausbildungsstelle zu ergattern), klingt kurios. Gut, dass es für frisch gebackene Auszubildende wenigstens in Sachen „Versicherung“ kaum Arbeit gibt. Das geht nämlich – jedenfalls die gesetzlichen Versicherungen betreffend – vielfach automatisch. Und das heißt:

 

* Jeder Azubi gehört einer gesetzlichen Krankenkasse an – Krankheit ist ja keine Frage des Alters. Die bisherige kostenfreie Mitversicherung durch die Eltern entfällt, weil es auf die Höhe der Ausbildungsvergütung nicht ankommt, also die 450-Euro-Grenze nicht gilt. Welche Krankenkasse gewählt wird, das entscheidet der Azubi selbst – nicht sein Ausbildungsbetrieb. Es kann die AOK am Ort für diejenigen sein, die schnelle Erreichbarkeit schätzen. Aber auch viele andere gesetzliche Krankenkassen, die Betriebskrankenkassen ausgenommen, sind fast überall durch Geschäftsstellen vertreten.

 

* Jeder Azubi ist gesetzlich pflegeversichert. Das klingt für einen 17- oder 18jährigen paradox – macht aber Sinn: Ein schwerer Fahrrad-, Motorrad- oder Autounfall kann auch einen jungen Menschen zum Pflegefall machen. Die Pflegekasse ist dann am Zug.

 

* Und dass es sinnvoll ist, gegen die Folgen einer Arbeitslosigkeit versichert zu sein, versteht sich von selbst. Niemand kann sicher sein, nach dem Ende seiner Ausbildung weiterbeschäftigt zu werden oder in einem anderen Unternehmen unterzukommen. Dann hilft wenigstens die Arbeitsagentur über die erste Durststrecke hinweg.

 

* Bleibt, viertens, die gesetzliche Rentenversicherung, die – wenn’s ganz dicke kommt (Unfall, schwere Krankheit) – ebenfalls schon als Twen finanziellen Ausgleich bringen kann.

 

* Schließlich die für Azubis – finanziell gesehen - erfreulichste Versicherungsart: die gesetzliche Unfallversicherung. Erfreulich deshalb, weil die Beiträge dafür der Arbeitgeber alleine trägt (zu den übrigen Versicherungen: siehe unten). Gesundheitsschäden nach Unfällen während der Arbeit oder auf einem der Arbeitswege (auch: von der Wohnung zum Betrieb und zurück) finanziert die Berufsgenossenschaft, quasi Unfall-Krankenkasse und Unfall-Rentenversicherung in einer Institution.

 

Wer trägt die Beiträge für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung? Der Azubi und sein Arbeitgeber teilen sich den Aufwand je zur Hälfte. Nur für die Krankenversicherung hat der Azubi 0,9 Prozent seiner Ausbildungsvergütung extra aufzuwenden. Die Firma ist allerdings in voller Höhe zuständig, solange die Ausbildungsvergütung 325 Euro im Monat nicht übersteigt. Das heißt: Der Auszubildende ist in diesem Rahmen komplett kostenfrei sozialversichert.

 

Aber ist er damit auch „rundum versichert“? Nicht ganz. Wichtig ist die Privathaftpflichtversicherung. Sie tritt ein, wenn einem Anderen schuldhaft ein Schaden zugefügt wird – etwa als Fußgänger, Inline-Skater oder Fahrradfahrer. Bis zum Abschluss der ersten Ausbildung besteht der Schutz allerdings im Regelfall über die Police der Eltern – sofern diese selbst privat haftpflichtversichert sind.  

 

Eine Rechtsschutzversicherung muss meistens ebenfalls nicht vom Azubi eingegangen werden, weil sie für nicht Verheiratete oftmals bis zum 25. Geburtstag über die Eltern läuft (in der Police nachlesen oder die Versicherung fragen!). Wer ein eigenes Auto besitzt, für den holt eine eigene Verkehrsrechtsschutzversicherung im Falle eines Falles die Kastanien aus dem Feuer. Eine Teilkaskoversicherung kümmert sich unter anderem um den Ersatz eines geklauten Fahrzeugs, die Vollkaskoversicherung auch um selbst verschuldete Unfälle. Pflichtmäßig ist allerdings nur die Kfz-Haftpflicht­ver­siche­rung, die Schäden an einem „gegnerischen“ Fahrzeug reguliert, wenn man selbst zumindest dazu beigetragen hat.

 

Eine von den Eltern abgeschlossene Hausratversicherung gilt auch für Azubis (sogar für deren „Zweitwohnung“, wenn die Ausbildung eine „auswärtige Unterkunft erfordert“).

 

Und schließlich: Für die finanzielle Absicherung gegen Berufsunfähigkeit gibt es keinen gesetzlichen Versicherungsschutz mehr. Zwar stehen Auszubildende und Studenten erst am Anfang ihres Berufslebens, dennoch sollten sie das Risiko einer Berufsunfähigkeit nicht verdrängen und zumindest überlegen, ob sie trotz ihres jugendlichen Alters bereits eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Ohne Eigenvorsorge sind nämlich Versorgungslücken programmiert. Und die Beiträge für diese Versicherung sind bei einem solch frühen Versicherungsbeginn niedrig, Leistungsausschlüsse aufgrund von Vorerkrankungen oder gar Ablehnungen wegen eines schlechten Gesundheitszustandes eher selten.

(Wolfgang Büser)