Twitter icon
Facebook icon
Google+ icon

Weihnachtsgeld: Wann freiwillige Sonderzahlungen zur Pflicht werden

Auch 2016 gibt es für Millionen von Arbeitnehmern eine Sonderzahlung: die „Gratifikation aus Anlass des Weihnachtsfestes“. Meistens tariflich abgesichert – aber eben oft auch auf freiwilliger Basis. Und hier fragt es sich ebenso oft: Können solche freiwilligen Arbeitgeber-Bonbons auch zur Pflicht werden? Und wenn ja: in welchen Fällen?

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Das ist eindeutig: Einen gesetzlichen Anspruch des Arbeitnehmers gegen seinen Arbeitgeber auf solche Sonderzahlungen gibt es nicht. Und entsprechende tarifvertragliche Ansprüche stehen zahllosen Arbeitnehmern nicht offen. Wird Weihnachtsgeld jedoch regelmäßig „freiwillig“ geleistet, so kann daraus durchaus eine „Pflicht“ werden. Denn ein Rechtsanspruch auf eine Gratifikation kann entstehen, wenn ein Arbeitgeber diese wiederholt und vorbehaltlos gewährt - und deswegen seine Mitarbeiter darauf vertrauen können, ihr Chef wolle auch in Zukunft dieses Extrageld zahlen.

 

Ein derartiger Vertrauenstatbestand ist, so das Bundesarbeitsgericht, regelmäßig nach dreimaliger Zahlung anzunehmen, falls nicht der Arbeitgeber bei jeder Zahlung „einen Bindungswillen für die Zukunft ausgeschlossen hat“. Dies zum Beispiel dadurch, dass er sich jeweils den Passus unterschreiben ließ, sich nicht verpflichten zu wollen, auch künftig Weihnachtsgeld zu zahlen. (AZ: 10 AZR 281/08) 

 

Sobald jedoch der Vertrauenstatbestand eingetreten ist, wird die aufgrund betrieblicher Übung geleistete Gratifikation „Teil des Arbeitsverhältnisses“. Diese Zusage kann dann – ebenso wie andere vertragliche Vereinbarungen – nicht einseitig vom Arbeitgeber widerrufen werden. Will er sich hiervon wieder lösen, so kann er dies nur im Einverständnis mit den Arbeitnehmern oder über eine Änderungskündigung erreichen. 

 

Im Übrigen dürfen auch von freiwilligen Zahlungen des Arbeitgebers Arbeitnehmer nicht ohne Grund ausgeschlossen werden. Bei den Regeln, die ein Arbeitgeber für die Zahlung einer Gratifikation aufstellt, hat er den Grundsatz der Gleichbehandlung zu beachten. So darf er einzelne Arbeitnehmer oder Gruppen von Arbeitnehmern ohne sachliche Begründung von allgemein begünstigenden Regelungen des Arbeitsverhältnisses nicht ausnehmen und schlechter stellen als andere Mitarbeiter in vergleichbarer Lage.

 

Die Höhe des Weihnachtsgeldes richtet sich nach der vertraglichen Grundlage. Oft orientiert es sich am Lohn oder Gehalt. Es kann aber auch ein fester Satz sein, der allen Beschäftigten – unabhängig von ihrem Verdienst – gezahlt wird. Bei freiwillig gezahlten Weihnachtsgeldern ist auch ein Variieren möglich, je nach Ertragslage.

 

Weihnachtsgeld muss meistens zurückgezahlt werden, wenn der Arbeitnehmer früh im nachfolgenden Jahr aus der Firma ausscheidet. Die Einzelheiten dazu regeln die Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen. Für freiwillig gezahlte Weihnachtsgratifikationen hat das Bundesarbeitsgericht Regeln aufgestellt, nach denen zum Beispiel das volle Weihnachtsgeld an den Arbeitgeber zurückfließt, wenn ein Arbeitnehmer weniger als ein Monatsgehalt bekommen hat und bis zum 31. März des Folgejahres den Betrieb durch Eigenkündigung verlässt. War es ein volles Gehalt, so gilt statt des „31.3.“ der nächstmögliche Kündigungstermin.