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Was Minijobber wissen sollten: Kleine Bausteine bringen vielen viel: So gibt’s mehr Rente „plus“

Frauen und Männer, die einen Minijob mit maximal 450 Euro Monatsverdienst ausüben, haben keine Probleme mit der Sozialversicherung. Das erledigt ihr Arbeitgeber für sie durch die Zahlung von Pauschalbeiträgen zur Renten- und Krankenversicherung. Dafür werden im Regelfall 15 Prozent beziehungsweise 13 Prozent des Verdienstes fällig.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Die zusätzliche 2prozentige Pauschalsteuer darf der Arbeitgeber zwar von seinen Minijobbern zurückfordern – was aber nur selten geschieht. Mit der Zahlung eines geringen eigenen Beitrags zur Sozialversicherung erwerben Minijobberinnen und Minijobber aber Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die den Wert dieser Beiträge weit übersteigen.

 

Und das funktioniert so: Angenommen, es werden exakt 450 Euro pro Monat verdient. Daraus resultiert nach einjähriger Beitragszahlung ein Rentenanspruch von 3,49 (!) Euro monatlich. Mehr nicht. Wer seinen Minijob nach 2012 begonnen hat, der ist seither rentenversicherungspflichtig und zahlt einen eigenen Beitrag von 3,7 Prozent des Verdienstes, was bei exakt 450 Euro 16,65 Euro pro Monat ausmacht. Dadurch erhöht sich der spätere Rentenanspruch um etwa einen Euro auf 4,35 Euro monatlich. Immer noch nicht viel. (Wer vor 2012 einen Minijob gestartet hat, die oder der waren damals zwar rentenversicherungsfrei. Sie können aber die Rentenversicherungspflicht wählen. Und sie hätten dann die Pluspunkte, wie wenn sie jetzt ein solches Arbeitsverhältnis eingehen würden.)

 

Plus 1: Erwerbsminderungsrente

 

Darauf kommt es aber bei der Überlegung, ob sich die 3,7 Prozent Zuzahlung „lohnen“, nicht entscheidend an. Denn die Rentenversicherung hat für die Zusatzbeiträge weit mehr zu bieten als nur die magere Erhöhung der monatlichen Rente. So kann der Eigenbeitrag Minijobber bei Invalidität absichern. Denn durch einen versicherungspflichtigen Minijob kann eine bereits erworbene Absicherung bei Erwerbsminderung aufrechterhalten werden. Es kann sogar durch die 3,7prozentige Zuzahlung zum Arbeitgeberbeitrag von 15 Prozent erstmalig ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente entstehen. Bedingung dafür ist eine insgesamt fünfjährige Pflichtversicherungszeit, wovon in den fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung wenigstens drei Jahre zurückgelegt sein müssen. Nach einem Arbeitsunfall reicht in der Regel schon ein Beitrag, der aufs Rentenkonto geflossen ist.

 

Plus 2: Zweimal Rehabilitation

 

Versicherungspflichtige Minijobber können auch Anspruch auf eine „medizinische Rehabilitation, etwa eine Kur, haben. Voraussetzung dafür ist zum Beispiel, dass die Zahlung von mindestens sechs Pflichtbeiträgen aus einer Beschäftigung in den vorhergehenden zwei Jahren nachgewiesen wird. Entsprechendes gilt für berufliche Rehabilitationen, zum Beispiel für eine Umschulung in einen neuen Beruf. Die Voraussetzungen dafür sind allerdings umfangreicher als bei medizinischen Leistungen zur „Reha“. Es müssen in der Regel 15 anrechenbare Beitragszahlungen vorhanden sein.

 

Plus 3: Auch „Riestern“  möglich

 

Die Rentenversicherungspflicht hat ein weiteres Plus: Die Teilzeitkraft kann einen „Riester-Vertrag“ abschließen – mit allen sich daraus ergebenden Vorteilen. Die Stiftung Warentest hört nicht auf, zu betonen: Die Riester-Rente lohnt sich für fast jeden, der sie kriegen kann - vor allem für Arbeitnehmer mit geringem Einkommen. Denn ihnen hilft der Staat besonders großzügig.

 

Im Jahr 2016 sind 4 Prozent des Vorjahresbruttoverdienstes (also aus 2015) auf einen „Riester-Vertrag“ einzuzahlen, um die höchste staatliche Förderung kassieren zu können. Die beträgt 154 Euro für die (rentenversicherungspflichtige) Teilzeitkraft plus 185 Euro für jedes Kind (für nach 2007 geborene Kinder 300 €); in beiden Fällen müssen die Kinder (noch) kindergeldberechtigt sein. Eine Mutter mit zwei nach 2007 geborenen Kindern kommt somit auf (154 + 300 + 300 =) 754 Euro Zulage im Jahr 2016. Aufbringen dafür muss sie – einen 450 Euro-Monatsverdienst mit 3,7 Prozent Zuzahlung unterstellt - an sich (12 x 450 € = 5.400 €, davon 4 % =) 216 Euro in 2016 bezahlen.

 

Der Clou: Für 60 Euro 754 Euro

 

Jetzt kommt der Clou: Da die staatliche Zulage von 754 Euro von dem an sich selbst aufzubringenden Anteil (216 € - siehe vor) abgezogen wird, ergibt sich ein Eigenanteil von „0 Euro“. Das Gesetz fordert jedoch einen „Mindesteigenbeitrag“ von 60 Euro im Jahr, der Bedingung dafür ist, die 754 Euro zugelegt zu bekommen. Das Riester-Konto wäre dann mit 814 Euro für ein Jahr gefüllt.

 

Plus 4: Pflichtig statt „frei“

 

Dies sind die Regeln für alle Minijobber, die (bei Beschäftigungsaufnahme nach 2012) rentenversicherungspflichtig sind. Nun hatten (und haben) diese Beschäftigten das Recht, die automatisch eingetretene Rentenversicherungsflicht abzuwählen. Das Ergebnis 1: Sie wären damit rentenversicherungsfrei. Das Ergebnis 2: Keine Sonderrechte in der gesetzlichen Rentenversicherung und kein „riestern“. Das gilt für die gesamte Dauer der Beschäftigung. Wer schon vor 2012 die Arbeit aufgenommen hatte, der bleibt rentenversicherungsfrei, wenn der frühere Verdiensthöchstbetrag von 400 Euro monatlich nicht inzwischen angehoben worden ist. Bei einer Erhöhung über 400 Euro hinaus würde automatisch Rentenversicherungsflicht bestehen. Dies jedoch auch wieder mit der Möglichkeit, sich davon „befreien“ zu lassen.

 

Plus 5: Mal eben aufhören...

 

Wer es sich als „Bestands-Minijobber“ (Beginn der Beschäftigung vor 2013) mit einem Monatsverdienst bis zu maximal 400 Euro überlegt, mit dem geringen Beitragsanteil von 3,7 Prozent auf seinen Verdienst nun doch in die Rentenversicherungspflicht zu wechseln, der steigert damit seine Rentenanwartschaft zwar nur um die oben erwähnten 85 Cent pro Jahr der Beschäftigung. Doch die übrigen Vorteile sind ja, wie ebenfalls geschildert „überwältigend“.

 

Ohne weiteres können diese Vorteile aber nicht erlangt werden, weil die damals ausgesprochene Befreiung ja für die gesamte Dauer des Arbeitsverhältnisses gilt. Die (legale) Lösung: Das Arbeitsverhältnis endet offiziell. Der Arbeitgeber schreibt die Abmeldung für die Minijobzentrale. Ein paar Tage später beginnt das Arbeitsverhältnis erneut – mit der nun einsetzenden und gewünschten Rentenversicherungspflicht. Und mit Leistungsansprüchen, die mit denen aus einer Vollbeschäftigung vergleichbar sind – jedoch mit einem erheblich geringeren finanziellen Aufwand...

 

Plus/Minus bei „Privaten“

 

Kaum zu glauben, aber Tatsache: Geringfügig entlohnte Beschäftigte in Privathaushalten, die bei der Minijobzentrale gemeldet sind, können auch den Rentenbeitrag aufstocken. Sie haben aber dafür stolze 13,7 Prozent zu berappen – etwa dreimal so viel wie die Minijobber im gewerblichen Bereich. Denn die privaten Arbeitgeber zahlen nur 5 statt 15 Prozent des Verdienstes an die Rentenversicherung. Das bedeutet im Klartext: Um die Privathaushalte zu schonen, weil ihnen nicht zugemutet werden soll, 15 Prozent Rentenbeitrag für eine Minijobberin/einen Minijobber aufzuwenden, werden die Beschäftigten selbst benachteiligt – weil sie eben nicht nur die Differenz zu 15 Prozent (= 3,7) als Eigenbeitrag aufwenden müssen, sondern die Differenz zu 5 Prozent (= 13,7 %).

 

Statt Mini- Midijob?

 

Wer mehr als 450 Euro im Monat verdienen möchte, der kann im Rahmen eines „Midijobs“ von vornherein rentenpflichtversichert werden. Das bedeutet, dass der regelmäßige Monatsverdienst zwischen 450,01 Euro und 850 Euro im Monat liegt. Midijobber zahlen zunächst einen reduzierten Beitragsanteil zur Rentenversicherung. Der Anteil steigt mit dem Verdienst und erreicht bei 850 Euro im Monat die volle Beitragshöhe.