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Wann sollte man einen Autounfall der Polizei melden?

Ein selbstverschuldeter Autounfall sollte umgehend der Polizei gemeldet werden

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist für jeden Autofahrer Pflicht. Jedoch kann jeder Versicherte selber entscheiden, ob er zusätzlich eine Teilkaskoversicherung oder Vollkaskoversicherung in Anspruch nimmt. Wenn nach einem Autounfall Schäden am eigenen Auto zurück bleiben und der Versicherungsnehmer vollkaskoversichert ist, muss der Versicherte die Reparaturkosten des eigenen Autos  in der Regel nicht selber tragen. Es können jedoch Kosten in Höhe der Selbstbeteiligung anfallen.  

Eine Kfz-Versicherung kann aber in folgenden Fällen den Anspruch auf Zahlung der Unfallkosten aus der Vollkasko ablehnen, wenn der Versicherte nach einem selbstverschuldeten Autounfall zum Beispiel Fahrerflucht begeht. Auch wenn dieser sich am Tag nach dem Unfall bei der Polizei meldet.

Wer durch Trunkenheit am Steuer einen Autounfall verursacht, kann ebenfalls den Versicherungsanspruch aus der Vollkasko von seinem Versicherungsunternehmen entzogen bekommen. Versuche sich in Nachhinein gegenüber der Versicherung und der Polizei zu rechtfertigen, man habe aufgrund eines Schocks den Unfall nicht frühzeitig gemeldet,  sind meist zwecklos.

Achten Sie also bei einem selbstverschuldeten Autounfall bzw. auch bei einem Autounfall ohne weitere Verkehrsteilnehmer darauf, nicht die Unfallstelle zu verlassen, bevor  Sie die Polizei verständigt haben und diese am Unfallort eingetroffen ist. Dann erübrigen sich auch Diskussionen über Trunkenheit am Steuer oder Fahrerfluchtvorwürfe und Ihr Anspruch auf Kostenerstattung aus einer Vollkaskoversicherung kann bestehen bleiben.

Dies entschied auch das Oberlandesgericht Naumburg. Ein Versicherter, der erst am darauffolgenden Tag einen Autounfall meldete, haben keinen Anspruch mehr auf Schadensersatzleistungen aus der Vollkaskoversicherung und muss somit die Reparaturkosten seines Fahrzeuges selber tragen.

Damit Sie zu jeder Zeit gut und kostengünstig geschützt sind, nutzen Sie unseren Vergleichsrechner für Kfz-Versicherungen. Hier haben Sie nicht nur alle Versicherungen auf einem Blick, sondern auch alle Tarife.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser zitiert hierzu folgende Urteile:

Vollkaskoversicherung: Wer sich mit dem Weg zur Polizei zu viel Zeit lässt, geht leer aus

Hat ein Autofahrer einen Verkehrsunfall verschuldet, so kann sein Anspruch auf Leistungen aus seiner Vollkaskoversicherung verloren gehen, wenn er sich mit der Meldung des Unfalls bei der Polizei zu viel Zeit gelassen hat. (Hier hatte er den Unfallort - eine Baustelle - verlassen und damit Unfallflucht begangen. Den Wagen stellte er in einiger Entfernung ab und begab sich erst am folgenden Tag zur Polizei. Zu spät - die Versicherung lehnte wegen dieser beider Obliegenheitsverletzungen seinen Anspruch ab. Dass der Mann angab, wegen des Malheurs "verstört" gewesen zu sein, auf jeden Fall aber keinen Alkohol getrunken zu haben, half ihm nicht. Die Reparaturkosten in Höhe von 6.460 € muss er selbst tragen.) (OLG Naumburg, 4 U 85/11)

 

Unfallflucht muss bestraft werden - aber es gibt Milderungsgründe

Entfernt sich ein Autofahrer nach einem von ihm verschuldeten Zusammenstoß mit einem parkenden Pkw vom Unfallort, ohne auf den Eigentümer des beschädigten Wagens zu warten (so genannte Unfallflucht), so kann er - wird der Vorgang aktenkundig - mit einem Bußgeld sowie einem Fahrverbot bestraft werden. Die Bestrafung kann aber milder ausfallen, wenn der Betreffende schon seit Jahren unbeanstandet gefahren ist und sich "kurz nach dem Unfall" aus eigenem Antrieb bei der Polizei gemeldet hatte. (Hier belegte der Amtsrichter den Mann mit einem Bußgeld in Höhe von 1.500 € und einem Fahrverbot von 6 Monaten. Das Landgericht Dortmund war zumindest bei der Bemessung des Fahrerlaubnisentzugs großzügiger: Es setzte die Fahrsperre auf 2 Monate herab.) (LG Dortmund, 45 Ns 173/12)

(Wolfgang Büser)