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Wann ist man ausreichend rechtsschutzversichert?

  1. Eine Rechtsschutzversicherung muss den individuellen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht werden. Einen Rechtsschutz für Jedermann gibt es nicht.
  2. Die Wahl der richtigen Rechtsbereiche sollte den persönlichen Bedürfnissen entsprechen
  3. Neben den Rechtsbereichen ist auch auf die einzelnen Vertragskonditionen zu achten.  

Die richtige Rechtsschutzversicherung finden

 

Generell gibt es keine Rechtsschutzversicherung, die zu jedem passt. Schließlich sind die individuellen Bedürfnisse und Ansprüche sehr verschieden. Auch ist die persönliche Lebensgestaltung und -Führung zu unterschiedlich um eine pauschal passende Rechtsschutzversicherung zu vorzuschlagen. Es gibt keine Faustregel. Die vielen Angebote und Anbieter von Rechtsschutzversichern erschweren den Marktüberblick. Neben den eher klassischen Rechtsbereichen, die durch eine Rechtsschutzversicherung abgedeckt werden können, werden auch speziellere Rechtsbereiche angeboten. Diese müssen in der Regel extra hinzugebucht werden und eignen sich vor allem für einige Berufsgruppen. Zusätzlich bieten viele Rechtsschutzversicherer spezielle Paketangebote oder Familienrabatte an.

Die klassischen versicherbaren Rechtsbereiche sind:

 

  1. Der Privatrechtschutz deckt privatrechtliche Konflikte ab. Diese können zum Beispiel mit dem Nachbarn entstehen oder einen Kaufvertrag betreffen. Oft ist auch die gesamte Familie mitversichert.
  1. Der berufliche Rechtsschutz deckt juristische Streitigkeiten in Bezug auf das Arbeits- bzw. Dienstverhältnis ab.
  1. Der Verkehrsrecht Versicherungsschutz deckt Verfahren im Verkehrsrecht ab. Dabei gibt es zwei Arten von Verkehrsrechtsschutzversicherungen: den Fahrzeugrechtsschutz und den Fahrerrechtsschutz. Beim Fahrzeugrechtsschutz versichert die Rechtsschutzversicherung alle Fahrer, die das vorher bestimmte Fahrzeug benutzen. Im Gegensatz dazu ist bei der Fahrerversicherung nur der versicherte Fahrer rechtlich abgesichert, unabhängig vom genutzten Fahrzeug.
  1. Immobilien- und Grundstücke können rechtsschutzversichert werden. Dafür sind zunächst die Art und die Nutzung des Gebäudes entscheidend. So können sich sowohl Besitzer als auch Mieter rechtsschutzversichern. Die Rechtsschutzversicherung ist immer auf das jeweilige Gebäude oder Objekt bezogen. Außerdem können zum Beispiel Stellplätze oder Garagen mitversichert werden.

 

Neben den klassischen Rechtsbereichen können oft noch zusätzliche Rechtsbereiche durch eine Rechtsschutzversicherung abgedeckt werden. Vor allem bestimmte Berufsgruppen können sich dadurch rechtlich absichern:

  1. Strafrechtsschutz
  2. Steuerrechtsschutz
  3. Opferrechtsschutz
  4. Insolvenzrechtsschutz
  5. Kapitalrechtsschutz
  6. Unterhaltsrechtsschutz und Eherechtsschutz
  7. Verwaltungsrechtsschutz
  8. Ordnungsrechtsschutz
  9. Sozialrechtsschutz
  10. Vertragsrechtsschutz und Sachrechtsschutz
  11. Disziplinarrechtsschutz und Standesrechtsschutz

 

Die genaue Beschreibung zu den abgesicherten Rechtsschutzbereichen findet sich in den Vertragsbestimmungen zur Rechtsschutzversicherung. In diesen sind alle Regelungen und Gültigkeitsbereiche genau beschrieben.

 

Die allgemeinen Vertragskonditionen werden unterschätzt

Vor allem bei Rechtsschutzversicherungen kann durch den passenden Rechtsschutz und bestimmte Vertragskonditionen viel erreicht werden. Auf folgende Konditionen sollte geachtet werden:

 

  1. Auslandsrechtschutz: Die meisten Rechtsschutzversicherungen bieten einen Auslandsrechtsschutz für Europa und den Mittelmeerraum an. Wer viel international unterwegs ist, sollte auf den Gültigkeitsbereich des Rechtsschutzes im Ausland achten.
  1. Deckungssumme: Die Höhe der Deckungssumme wird oft unterschätzt. Schnell können durch Gutachter und langwierige Prozesse mehrere Tausend Euro Kosten entstehen.
  1. Kündigungsbedingungen: Im Falle eines Wechsels sind zum Beispiel die Kündigungsfristen einzuhalten.
  1. Ausgeschlossene Rechtsbereiche: In der Regel gibt es bei jedem Rechtsschutzversicherer ausgeschlossene Rechtsbereiche. Diese gilt es zu beachten.
  1. Umfangreiche Rechtsberatung: Eine gute Rechtsberatung kann auch Verfahren vermeiden. Die vor dem Verfahren stattfindende Rechtsberatung sollte in jedem Fall von der Rechtsschutzversicherung abgedeckt werden.
  1. Schlichtungsstelle: Sollte es zu einem Streit zwischen Rechtsschutzversicherung und Versicherungsnehmer kommen, kann eine Schlichtungsstelle vermitteln. Diese Möglichkeit sollte eine Rechtsschutzversicherung bieten.
  1. Mediation: Auch Anwaltskosten bei außergerichtlichen Einigungen sollten von der Rechtsschutzversicherung übernommen werden.

 

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen. Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite. Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Wolfgang Büser beantwortet die Frage zum Thema "ausreichend rechtsschutzversichert" wie folgt:

Wann ist man „ausreichend“ rechtsschutzversichert? Gibt es Versicherungsbestandteile, die in den meisten Fällen für Private nutzlos sind? Gibt es eine Faustregel für optimalen Rechtsschutz?

 

Eine solche Faustregel, die sich auf wenige Punkte beschränkt, gibt es nicht. Dafür ist die Ausgestaltung des Lebens viel zu vielschichtig, um für alle Möglichkeiten eine Absicherung zu haben – und außerdem ist die Palette der angebotenen Versicherungsmöglichkeiten riesengroß. Die einzige Faustregel, die angewandt werden könnte wäre: Solange „unbedingt notwendige“ Versicherungen noch nicht in der Schublade liegen, sollten weniger wichtige zurückgestellt werden. Und zu den „unbedingt notwendigen“ Versicherungen zählen zum Beispiel diejenigen, die vor Millionenforderungen anderer führen können, weil man schuldhaft einen Schaden verursacht hat (hier geht es um die Privathaftpflichtversicherung). Oder um die Absicherung der Familie (hier geht es um die Risiko-Lebensversi­che­rung). Oder um den eigenen Schutz für den Fall der dauernden Erwerbsminderung (hier geht es um die private Berufsunfähigkeitsversicherung).

(Wolfgang Büser)