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Schnee fegen kann Steuern sparen: Bundesfinanzhof hat Abzugsmöglichkeiten für Privathaushalte erweitert: Wenn „Profis“ an der Arbeit waren

Dortmund. "Haushaltsnahe Dienstleistungen" können von Privatleuten auch für das Säubern ihrer Bürgersteige durch professionell tätige Unternehmen erbracht - und deren Kosten bis zu 20 Prozent von ihrer Steuerschuld abgezogen werden. Auch der Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz hilft Steuern sparen, so der Bundesfinanzhof.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Im Gegensatz zum Finanzamt, das der "offiziellen“ Auslegung des Gesetzes gefolgt war, kam das höchste Steuergericht zu dem Ergebnis, dass es bei der Beurteilung, ob eine haushaltsnahe Dienstleistung vorliege, nicht unbedingt darauf ankomme, dass “im“ Haushalt gearbeitet werde; der Begriff sei nicht räumlich, sondern "funktionsbezogen" auszulegen. Daher würden die Grenzen des Haushalts nicht ausnahmslos - unabhängig von den Eigentumsverhältnissen - durch die Grundstücksgrenzen abgesteckt.

 

> „Für“ den Haushalt arbeiten genügt - Es genüge, wenn die Dienstleistung "für" den Haushalt ("zum Nutzen des Haushalts") erbracht werde. Es müsse sich dabei allerdings um Tätigkeiten handeln, die ansonsten üblicherweise von Familienmitgliedern erbracht und im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt würden. Hiervon sei insbesondere auszugehen, "wenn der Steuerpflichtige als Eigentümer oder Mieter zur Reinigung und im Winter zum Räumen von Schnee und Eis auf öffentlichen Straßen und (Geh-)Wegen verpflichtet“ sei. (AZ: VI R 55/12)

 

> Anschluss an öffentliches Versorgungsnetz - Und auch in einem anderen Fall kam der Bundesfinanzhof zu einem Steuerzahler-freund­lichen Urteil: Wird durch einen Handwerker ein Privathaushalt nachträglich an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen, so handelt es sich um eine steuerbegünstigte Handwerkerleistung, die ebenfalls bis zu 20 Prozent von der Steuerschuld des Privatiers abgezogen werden kann. Bei Hausanschlüssen handele es sich zwar auch insoweit um Betriebsanlagen des Wasserversorgungsunternehmens, als die Anschlussleitung innerhalb des Privatgrundstücks verlaufe.

 

Gleichwohl sei der Hausanschluss insgesamt - und damit auch, soweit er im öffentlichen Straßenraum verlaufe - zum Haushalt zu zählen und damit als Handwerkerleistung begünstigt. Das Finanzamt hatte seine Ablehnung darauf gestützt, dass es nicht um den "Haushalt" ginge, sondern um das öffentliche Versorgungsnetz. (AZ: VI R 56/12)

 

> Unterschiedliche Höchstbeträge - Handwerkerleistungen werden nach dem Gesetz für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen (nicht aber bei einem Neubau) in Höhe von 20 Prozent bis zu einem Jahresaufwand von 6.000 Euro (= 1.200 €) steuerlich anerkannt. Haushaltsnahe Dienstleistungen sogar bis zu einem Jahresaufwand von 20.000 Euro (= 4.000 €).

 

In beiden Fällen bedeutet das natürlich, dass schon ein ansehnlicher finanzieller Aufwand betrieben werden muss, um dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Wer offiziell eine Haushaltshilfe beschäftigt, der kann ebenfalls 20 Prozent der gezahlten Verdienste steuerlich berücksichtigen – maximal 510 Euro im Jahr.

 

Übrigens: Werden keine Steuern zahlt (etwa von einem Rentner oder einem Rentner-Ehepaar), so können weder durch eine Handwerker- oder eine haushaltsnahe Dienstleistung noch durch eine Haushaltshilfe Steuern „gespart werden“. Die Vergünstigung wird ausschließlich per Abzug von einer Steuerschuld gewährt.

 

Bedingung für einen Erfolg beim Finanzamt ist ferner, dass für die Arbeiten eine Rechnung ausgestellt und der Betrag überwiesen wurde.