Twitter icon
Facebook icon
Google+ icon

Schadensabwicklung auf Gutachtenbasis

Dürfen die Kosten einer markengebundenen Werkstatt als Berechnungsgrundlage dienen?

Nach einem Unfall hat ein Geschädigter Anspruch auf Schadensersatz. Die Ermittlung der Schadenshöhe kann dabei auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen. Entweder kann der Geschädigte sein Fahrzeug reparieren lassen und Ersatz der Reparaturkosten verlangen oder er lässt es auf Gutachtenbasis abrechnen. Letzteres bedeutet, dass der Schaden durch einen Sachverständigen ermittelt und der Betrag an den Geschädigten ausbezahlt wird. Dem Geschädigte steht dabei frei, ob er sein Fahrzeug reparieren lassen möchte oder nicht. Zur Berechnung des Reparaturbeitrags kann ein Versicherter die Kosten einer markengebundenen Werkstatt verlangen, wenn das Fahrzeug nicht älter als drei Jahre ist.

 

Rechtsexperte Wolfgang Büser

Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

1938 in Dortmund geboren, arbeitete lange Zeit für eine gesetzliche Krankenversicherung und ist seit 1984 als Freier (Fach-)Journalist für Rechtsthemen tätig, Im Fernsehen tritt er als Berater und Rechtsexperte auf und war unter anderem drei Jahre lang für die ZDF-Gerichtsshow "Streit um drei" vor der Kamera.

Heute gibt Wolfgang Büser Tipps regelmäßig unter anderem in Sendungen des ARD-Morgenmagazins (alle 2 Wochen in den "ungeraden" Wochen des Jahres), "daheim und unterwegs" (im WDR Fernsehen) sowie der "drehscheibe Deutschland" (im ZDF). Außerdem ist er mit seinen Tipps im WDR 4 sowie für mehrere Printmagazine tätig.

 

Lesen Sie hier zwei Urteile zu diesem Thema:

Markengebundene Fachwerkstatt "erhält den Wert"

Wählt ein bei einem Verkehrsunfall Geschädigter statt des Ersatzes der tatsächlichen Reparaturkosten die Abwicklung "auf Gutachtenbasis", so darf er den Ansatz von Verrechnungssätzen einer markengebundenen Fachwerkstatt verlangen. Das Amtsgericht Düsseldorf: Ein wirtschaftlich denkender Mensch hat nicht nur Interesse an einer gleichwertigen Reparaturleistung, sondern auch ein schützenswertes Interesse daran, dass ihm durch die Behebung des Schadens in einer freien Werkstatt "kein wie auch immer gearteter wirtschaftlicher Wertverlust entsteht". Denn unabhängig von der objektiven Nachvollziehbarkeit werde nach landläufiger Ansicht der Reparatur in einer Markenwerkstatt eine höhere Qualität zugemessen als einer in einer freien Werkstatt. Dies könne bei einem Weiterverkauf "eine erhebliche Rolle hinsichtlich des erzielbaren Erlös spielen". (AmG Düsseldorf, 52 C 8078/11)

 

Zwölf Jahre altes Auto muss nicht unbedingt "markengebunden" repariert werden

Will ein Autofahrer, dessen Wagen bei einem Verkehrsunfall durch Schuld eines anderen Fahrers beschädigt wurde, mit dessen Kfz-Haftpflichtversicherung "auf Gutachtenbasis" abrechnen, so darf er nicht immer verlangen, dass der Sachverständige bei seinem Gutachten die Sätze einer markengebundenen Werkstatt zugrunde legt. Dies dann nicht, wenn das Fahrzeug "älter als drei Jahre" ist und der Eigentümer nicht darlegt, warum er ein "besonderes Interesse" daran haben könnte, eine Markenwerkstatt aufzusuchen (wo er sich doch grundsätzlich durch eine tatsächlich durchgeführte Reparatur durchaus "markengebunden" verhalten kann). (Hier war der Pkw fast 12 Jahre alt und war bereits 125.000 km gelaufen. Das Amtsgericht Bochum kürzte den Ersatzanspruch des geschädigten Autofahrers um 300 €.) (AmG Bochum, 45 C 119/12)

(Wolfgang Büser)