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Schäden nach heftigen Frühlingsstürmen: Jetzt wirbeln auch die Versicherer wieder um die Wette

Orkanartige Wirbelstürme mit mehr als 100 Stundenkilometern, Graupelschauer. Es war schauerlich, womit mancherorts der Wettergott noch im März – im Vorgriff auf den Wetterwendischen April – erlaubte. Züge fielen reihenwiese aus, Dächer wurden teilweise abgedeckt, Bäume umgerissen. Wer kommt für welche Schäden auf?

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Arbeitnehmer, die (zum Teil erheblich) zu spät zur Arbeit kamen, können nur auf einen einsichtigen Chef oder Vorgesetzten hoffen. Denn es gilt unverändert: Das Risiko des Arbeitsweges tragen die Arbeitnehmer. Fällt wegen schlechter Wetter- oder Straßenverhältnisse Arbeit aus, so braucht sie nicht bezahlt zu werden. Ein Nachholen nach Wetterberuhigung wäre, wird über eine Verspätung nicht „hinweggesehen“, die einfachste Lösung. Die Bahn braucht jedenfalls für Verdienstausfälle – da es sich dabei um einen „mittelbaren“ Schaden handelt - nicht aufzukommen. Sie müsste allerdings den Reisepreis zum Teil ersetzen, wenn eine Verspätung mindestens 60 Minuten gedauert hat.

 

Die Wohngebäudeversicherung, die nicht nur bei Feuer oder Leitungswasserschäden einspringt, fühlt sich auch zuständig, wenn durch stürmisches Wetter eigenes Hab und Gut beschädigt wurde. Entsprechendes gilt für die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht­versicherung, wenn anderen Leuten Schaden zugefügt wurde, etwa durch umherfliegende Dachziegel. Oder wenn ein Baum dem Drängen einer Windböe nicht standgehalten und auf dem Nachbargrundstück Unheil angerichtet hat.

 

Die Hausratversicherung ist am Zuge,  Sturmschäden an Wohnungseinrichtungen entstanden sind. Sie ersetzt zum Beispiel Blessuren an Möbeln. Regenwasserschäden sind versichert, wenn der Wind das Dach abgedeckt oder ein Fenster eingedrückt hat und dadurch Wasser in die Wohnung gekommen ist. Für zerborstene Scheiben müsste eine Glasbruchversicherung bestehen; sie kommt auch für eine Notverglasung auf.

 

Die Privathaftpflichtversicherung kümmert sich um vom Balkon gefallene Blumentöpfe, die einen Passanten treffen, wenn es sich um  Ein- oder Zweifamilienhäuser handelt. Wurde diese (an sich für jeden wichtige) Versicherung für überflüssig gehalten, dann kann ein Verletzter direkt vom Eigentümer Schadenersatz verlangen. Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern wäre wieder die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung der Ansprechpartner.

 

Autofahrer sollten wissen: Wer mit seinem Wagen bei Sturm von der Straße abkommt oder gegen einen auf der Straße liegenden Baumstamm fährt, dem ersetzt die Vollkaskoversicherung den Schaden; die Teilkaskoversicherung würde dafür nicht ausreichen. Das gilt ebenfalls, wenn jemand in ein Fahrzeug hinein fährt, das zuvor gegen einen umgestürzten Baum geprallt ist. Die Teilkasko kann aber in Anspruch genommen werden, wenn ein Pkw durch herunter gefallene Gegenstände (Dachziegel, Äste) oder durch einen umstürzenden Baum beschädigt wurde. Natürlich sind solche Schäden auch durch die Vollkasko gedeckt. Ein von der Teilkaskoversicherung regulierter Schaden hat aber keinen Einfluss auf den Schadenfreiheitsrabatt bei der Vollkasko. Allerdings geht jeweils die vereinbarte Selbstbeteiligung zu Lasten des Autobesitzers. Alternativ kann – beim Nachweis von Schuld eines Hauseigentümers – dessen Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtver­si­cherung in Anspruch genommen werden, was nicht selten günstiger ist, weil es dort keine „Selbstbeteiligung“ gibt...

 

Personenschäden Unfallopfer schalten ihre Krankenkasse ein. Bei bleibenden Schäden kann Geld aus der privaten Unfallversicherung fällig werden, zusätzlich bei Unfällen auf Arbeitswegen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Schwere Folgen entschädigen auch die gesetzliche Rentenversicherung oder eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Das gilt unabhängig davon, ob zum Beispiel ein Hausbesitzer, von dessen Dach ein Ziegel herunterfiel, dafür haftbar ist, weil er seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat. Hier können gegebenenfalls zusätzliche (Ersatz-)Ansprüche bestehen.