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Rundum geschützt gehen „Azubis“ ins Berufsleben: Manchmal geht’s sogar komplett kostenlos

Das liegt auf der Hand: Jugendliche machen sich über ihre soziale Sicherheit nur wenig Gedanken macht. Sorgt nicht der Staat durch zahlreiche Vorschriften für einen lückenlosen Versicherungsschutz? Es sind jedoch eine Reihe von Formalien zu beachten, wie die folgenden Tipps zeigen.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

* Jeder Azubi gehört einer gesetzlichen Krankenkasse an – Krankheit ist ja keine Frage des Alters. Die bisherige kostenfreie Mitversicherung durch die Eltern entfällt, weil es auf die Höhe der Ausbildungsvergütung nicht ankommt, also die 450-Euro-Grenze nicht gilt. Welche Krankenkasse gewählt wird, das entscheidet der Azubi selbst – nicht sein Ausbildungsbetrieb. Es kann die AOK am Ort für diejenigen sein, die schnelle Erreichbarkeit schätzen. Aber auch viele andere gesetzliche Krankenkassen sind fast überall durch Geschäftsstellen vertreten.

 

* Jeder Azubi ist gesetzlich pflegeversichert. Das klingt für einen 17- oder 18jährigen paradox – macht aber Sinn: Ein schwerer Fahrrad-, Motorrad- oder Autounfall kann auch einen jungen Menschen zum Pflegefall machen. Die Pflegekasse ist dann am Zug.

 

* Und dass es sinnvoll ist, gegen die Folgen einer Arbeitslosigkeit versichert zu sein, versteht sich von selbst. Niemand kann sicher sein, nach dem Ende seiner Ausbildung weiterbeschäftigt zu werden oder in einem anderen Unternehmen unterzukommen. Dann hilft wenigstens die Arbeitsagentur über die erste Durststrecke hinweg.

 

* Bleibt, viertens, die gesetzliche Rentenversicherung, die – wenn’s ganz dicke kommt (Unfall, schwere Krankheit) – ebenfalls schon als Twen finanziellen Ausgleich bringen kann. Und das in einer Höhe, als wäre schon bis zum 62. Geburtstag gearbeitet worden.

 

* Schließlich die für Azubis – finanziell gesehen - erfreulichste Versicherungsart: die gesetzliche Unfallversicherung. Erfreulich deshalb, weil die Beiträge dafür der Arbeitgeber alleine trägt (zu den übrigen Versicherungen: siehe unten). Gesundheitsschäden nach Unfällen während der Arbeit oder auf einem der Arbeitswege (auch: von der Wohnung zum Betrieb und zurück) finanziert die Berufsgenossenschaft, quasi Unfall-Krankenkasse und Unfall-Rentenversicherung in einer Institution.

 

Wer trägt die Beiträge für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung? Der Azubi und sein Arbeitgeber teilen sich den Gesamtaufwand (von 14,6 %) je zur Hälfte. Nur für die Krankenversicherung hat der Azubi meistens einen Zusatzbeitrag aufzubringen, der vielfach 0,9 Prozent seiner Ausbildungsvergütung beträgt. Die Firma ist allerdings in voller Höhe zuständig, solange der Arbeitgeber maximal 325 Euro im Monat an Ausbildungsvergütung bezahlt. Das heißt: Der Auszubildende ist in diesem Rahmen komplett kostenfrei sozialversichert.

 

Aber ist er damit auch „rundum versichert“? Nicht ganz. Wichtig ist die Privathaftpflichtversicherung. Sie tritt ein, wenn einem Anderen schuldhaft ein Schaden zugefügt wird – etwa als Fußgänger, Inline-Skater oder Fahrradfahrer. Bis zum Abschluss der ersten Ausbildung besteht der Schutz allerdings im Regelfall über die Police der Eltern – sofern diese selbst privat haftpflichtversichert sind.  

 

Eine Rechtsschutzversicherung muss meistens ebenfalls nicht vom Azubi eingegangen werden, weil sie für nicht Verheiratete oftmals bis zum 25. Geburtstag über die Eltern läuft (in der Police nachlesen oder die Versicherung fragen!). Wer ein eigenes Auto besitzt, für den holt eine eigene Verkehrsrechtsschutzversicherung im Falle eines Falles die Kastanien aus dem Feuer. Eine Teilkaskoversicherung kümmert sich unter anderem um den Ersatz eines geklauten Fahrzeugs, die Vollkaskoversicherung auch um selbst verschuldete Unfälle. Pflichtmäßig ist allerdings nur die Kfz-Haftpflicht­ver­siche­rung, die Schäden an einem „gegnerischen“ Fahrzeug reguliert, wenn man selbst zumindest dazu beigetragen hat.

 

Eine von den Eltern abgeschlossene Hausratversicherung gilt auch für Azubis (sogar für deren „Zweitwohnung“, wenn die Ausbildung eine „auswärtige Unterkunft erfordert“).

 

Und schließlich: Für die finanzielle Absicherung gegen Berufsunfähigkeit gibt es keinen gesetzlichen Versicherungsschutz mehr. Zwar stehen Auszubildende und Studenten erst am Anfang ihres Berufslebens, dennoch sollten sie das Risiko einer Berufsunfähigkeit nicht verdrängen und zumindest überlegen, ob sie trotz ihres jugendlichen Alters bereits eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Ohne Eigenvorsorge sind nämlich Versorgungslücken programmiert. Und die Beiträge für diese Versicherung sind bei einem solch frühen Versicherungsbeginn niedrig, Leistungsausschlüsse aufgrund von Vorerkrankungen oder gar Ablehnungen wegen eines schlechten Gesundheitszustandes eher selten. Wichtig ist ferner eine Nachversicherungsgarantie, über die man bei steigendem Einkommen oder bei bestimmten Ereignissen (wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf) seinen Versicherungsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung ausbauen kann.

 

Und auch dies sollte bedacht werden: Bei der „Riesterrente“ erhalten Azubis bereits meist für einen Mindestbeitrag von 60 Euro pro Jahr die volle staatliche Zulage von 154 Euro. Wer bis zum 25. Lebensjahr erstmals eine Riesterrente abschließt, bekommt sogar noch einen einmaligen Startbonus von 200 Euro dazu.

 

Schließlich: Vermögenswirksame Leistungen können vom Bruttogehalt ohne Steuern und Sozialabgaben in eine betriebliche Altersvorsorge umgewandelt werden.