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Reiserecht: Wenn die Traumreise zum Albtraum wird

Hält ein Reiseveranstalter nicht was er verspricht, können Reisende Schadenersatz verlangen

Die Koffer sind gepackt und die Reise in den langersehnten Urlaub kann starten. Doch was wenn die Reise nicht so verläuft wie geplant und es z. B. keinen Transfer zum Hotel gibt oder das Mittagessen im All inclusive-Paket fehlt. Der eigentlich erholsame Urlaub kann sich dann schnell in eine nervige Reise verwandeln. In solchen Fällen können Reisende rechtlich gegen den Veranstalter vorgehen. Lesen Sie unten für welche Mängel Urlauber ihr Geld zurück haben wollten und in welchen Fällen sie Recht bekommen haben.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

1938 in Dortmund geboren, arbeitete lange Zeit für eine gesetzliche Krankenversicherung und ist seit 1984 als Freier (Fach-)Journalist für Rechtsthemen tätig,

Im Fernsehen tritt er als Berater und Rechtsexperte auf und war unter anderem drei Jahre lang für die ZDF-Gerichtsshow "Streit um drei" vor der Kamera.

Heute gibt Wolfgang Büser Tipps regelmäßig unter anderem in Sendungen des ARD-Morgenmagazins (alle 2 Wochen in den "ungeraden" Wochen des Jahres), "daheim und unterwegs" (im WDR Fernsehen) sowie der "drehscheibe Deutschland" (im ZDF). Außerdem ist er mit seinen Tipps im WDR 4 sowie für mehrere Printmagazine tätig.

 

 

Lesen Sie hier verschiedene Rechtsprechungen zum Thema Reiserecht von Maik Heitmann und Wolfgang Büser:

 

All-in-Urlaub: Wenn das „Rundum Sorglos-Paket“ Sorgen bereitet

Mittagessen darf nicht fehlen – Auf 16jährigen müssen Eltern achten

All inclusive-Angebote der Reiseveranstalter versprechen auch für die Urlaubssaison 2013 wieder Essen, Getränke und Unterhaltung satt in den gebuchten Clubs und Hotels. Nicht selten gibt es dann vor Ort die Ernüchterung. Sei es, dass die versprochenen „Snacks von 10 bis 23 Uhr“ fehlen oder dass es keinen Transfer vom Flughafen zum Hotel gibt. Wenn der „Rundum Sorglos-Urlaub“ Ärger macht - Beispiele aus der Rechtsprechung:

 

Ein Urlauber-Ehepaar stand um 06.40 Uhr morgens am Flughafen in Dubai und wartete vergeblich auf den Bus, der sie – laut „All inclusive-Paket“ zugesagt – zum Hotel fahren sollte. Die beiden nahmen ein Taxi und forderten den Fahrpreis vom Veranstalter. Es ging um 55 Euro. Der verweigerte die Zahlung, weil es zuvor keine „Kontaktaufnahme“ mit ihm in Deutschland gegeben habe. Die habe auch nicht sein müssen, so das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Weil es in Deutschland erst 04.40 Uhr in der früh gewesen sei, habe auf diesen formalen Schritt verzichtet werden dürfen.

Dieselben Urlauber wunderten sich später, dass es zum Mittagessen keine Getränke gab. Nach der Reklamation dieses Mangels durften sie immerhin zwei Getränke rationiert genießen. Sie beschwerte sich und bekamen auch in diesem Punkt Recht. 347 Euro musste der Veranstalter für die gekauften „Mittagsgetränke“ erstatten. Eine Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit gab es allerdings nicht. Der „beklagte Mangel“ sei dafür nicht ausreichend und durch die Preisreduzierung ausgeglichen. (AZ: 233 C 165/10)

In folgendem Fall ging es um „fehlendes“ Mittagessen. Vor dem Amtsgericht Leipzig musste ermittelt werden, ob zu einem „All inclusive“-Angebot automatisch eine Mahlzeit am Mittag zählt. Das Gericht bejahte das. Denn stehe im Vertrag „Verpflegung: All-inclusive“, so bedeutet das „alle Verpflegungen eingeschlossen“. Daher bleibe es unverständlich, „wie der Reiseveranstalter auf die Idee kommen konnte, ihm sei es einseitig möglich, bestimmte, ganz üblicherweise zum Tageskreis ihrer Kunden gehörende Mahlzeiten ohne jeden vorherigen Hinweis an die Vertragspartner für vertraglich nicht eingeschlossen zu erklären“. Müssen Urlauber den Mittagstisch extra bezahlen, so liege ein erheblicher Reisemangel vor, für den sie einen Teil des Reisepreises (hier 20 %) erstattet bekommen müssen. Auch hätten sie Anspruch auf Schadenersatz für „vertane Urlaubszeit“: 250 Euro wurden hier zugebilligt. Das Argument des Veranstalters, „die Kunden hätten nachfragen können, was er unter All-inklusive versteht“, zog nicht. Damit mache er vielmehr seinen arglistigen Täuschungsversuch deutlich. (AZ: 109 C 5850/09)

 

Fehlende Snacks

Das Landgericht Duisburg hat entschieden, dass die im Reisekatalog versprochenen Snacks „zusätzlich von 10 bis 23 Uhr“ in einem Hotel nicht fehlen dürfen. Ein Urlauberehepaar hatte das während des Aufenthaltes in einem mallorquinischen Mittelklassehotel beim Personal moniert – Abhilfe wurde aber nicht geschaffen. Sie konnten dafür später eine Reisepreisminderung (in Höhe von 5 %) durchsetzen. Das Gericht stellte übrigens noch fest, dass die Anzeige beim Hotel-Personal ausgereicht hatte, wenn von dort keine Information folge, nach der dann auf jeden Fall auch die Reiseleitung in Kenntnis gesetzt werden müsse. (AZ: 12 S 26/05)

 

16jähriger „Trinker“

Anders als in den bisher geschilderten Fällen gab für eine Urlauber-Familie nicht zu wenig - sondern zu viel: und zwar Alkohol für den 16jährigen Sohn. Der Filius bekam in einem Hotel auf Kos nämlich Spirituosen ungeachtet seines Alters, und er ließ sich regelmäßig volllaufen. Das (neben einer Liste anderer Unzulänglichkeiten) werteten sie als Reisemangel und verlangten eine Reisepreisminderung. Angesichts der Tatsache, dass im Reiseprospekt ausdrücklich versichert wurde, dass „kein Alkohol an Minderjährige ausgegeben“ werde, war der Gedanke nicht abwegig.

Das Amtsgericht Duisburg entschied aber anders: Sie hätten selbst darauf aufpassen müssen, dass sich der Filius nicht betrinkt. Die Aufsichtspflicht der Eltern für ihre minderjährigen Kinder ergibt sich aus dem Gesetz. Der Reiseveranstalter habe ihnen mit der Buchung diese Verantwortung nicht abgenommen. Die Eltern könnten ihr Versagen, den Sohn nicht richtig erzogen zu haben, dass er nicht „bis zur Besinnungslosigkeit Alkohol zu sich“ nehmen solle, nicht auf andere abwälzen. (AZ: 27 C 1039/08)

 

Hinflug auch nachts

Bei einem All-in-Billigangebot („63 Euro pro Tag bei All-Inclusive-Verpflegung, incl. Fluganteil“) wurde eine bestimmte Abflugzeit nicht zugesichert. Schließlich wurden die Reisenden um kurz vor Mitternacht in die Türkei geflogen. Das gefiel den Urlaubern nicht, und sie beantragten später eine Reisepreisminderung – vergeblich. Ohne besondere Zusicherung stelle der Hinflug in der Nacht keinen Reisemangel dar. Abflüge in Touristenhochburgen bei Pauschalreisen in der Preiskategorie „einschließlich Fluganteil“ würden üblicherweise auch nachts durchgeführt. Das Amtsgericht Düsseldorf: „Nur durch eine derartige Zeitorganisation kann dem steigenden Interesse der Reisenden an preisgünstigen Flugreisen zu touristisch begehrten Zielen Rechnung getragen werden“. Der Spätflug stelle eine „entschädigungslos hinzunehmende Unannehmlichkeit und keinen zur Minderung berechtigenden Reisemangel“ dar. (AZ: 56 C 13943/05)

 

Die drei wichtigen ersten Schritte zur Reisepreisminderung

1. Noch vor Ort muss der Reisemangel beim Veranstalter angezeigt und „Beseitigung“ verlangt werden. Lassen Sie sich die Meldung schriftlich bestätigen und sammeln Sie Zeugen oder Beweismittel für den Mangel.

2. Wird der Mangel nicht gleich nach der Anzeige oder erst später beseitigt, so müssen Sie innerhalb von einem Monat ab Rückkehr den Mangel beim Reiseveranstalter anzeigen und Erstattung verlangen. Versäumen Sie die Frist, verfällt der Anspruch. Eine genaue Bezifferung ist nicht notwendig. Wichtig ist die Vollständigkeit der Mängelliste!

3. Lehnt der Veranstalter die Gewährleistung für den Reisemangel ab, so können Sie Ihre Ansprüche innerhalb von zwei Jahren ab vereinbartem Rückkehrtermin gerichtlich geltend machen. (Achtung: Die Veranstalter können in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Frist auch auf ein Jahr verkürzen.)

 

Wofür „AI“-Urlauber Geld zurück haben wollten:

Fehlender Hummer in der Karibik: 2 Prozent. Ebenso: Extragebühr für Windsurfen. (LG Duisburg, 12 S 27/03)

Verschütte Getränke in der Anlage: 0 Prozent. (LG Düsseldorf, 8 O 388/02)

Tagsüber nicht durchgehend geöffnete Bar: 5 Prozent. 50 Liegestühle für ein 100-Zimmer-Hotel: 0 Prozent. (LG Hannover, 17 S 1073/01)

„Schleppende Bedienung“, weil kein Trinkgeld gegeben wurde: 5 Prozent. (AmG Köln, 122 C 171/00)

Betrunkene, pöbelnde Briten: 0 Prozent. (LG Kleve, 6 S 369/00)

„Plastikarmbandzwang“: 5 Prozent. (LG Frankfurt am Main, 2/24 S 341/98)

 

(Maik Heitmann und Wolfgang Büser)