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Reiserücktrittsversicherung oder Reiseabbruchversicherung - wann haftet welche Versicherung?

Eine separate Buchung von Flug und Hotel wird versicherungsrechtlich wie zwei unterschiedliche Reisen behandelt.

Mit Beginn der Ferien starten viele reiselustige in den Urlaub. Dabei kann es nicht schaden sich vorab über Reiseversicherungen zu informieren und ggf. eine Versicherung abzuschließen. Denn auch im Urlaub können unerwartete Ereignisse wie z. B. eine plötzliche Erkrankung oder ein Unfall eintreten, die einen Abbruch der Reise herbeiführen können. Insbesondere bei sehr teuren Reisen kann eine Reiseversicherung von Vorteil sein.

Allgemein wird zwischen einer Reiserücktritts- und einer Reiseabbruchversicherung unterschieden. Eine Reiserücktrittsversicherung kann immer dann in Anspruch genommen werden, wenn eine Reise noch nicht angetreten wurde und aus verschiedenen Gründen nicht angetreten werden kann. Muss eine Reise dagegen am Urlaubsort abgebrochen werden, kann die Reiseabbruchversicherung in Anspruch genommen werden. Diese Regelung klingt zunächst einfach, weist jedoch einige Schwierigkeiten auf. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Flug und Unterkunft getrennt voneinander gebucht worden sind, da diese versicherungsrechtlich als zwei unterschiedliche Reisen betrachtet werden. Hat z. B. ein Reisender den Flug zum Urlaubsort bereits hinter sich gebracht, muss die Reise jedoch abbrechen bevor er im Hotel eingecheckt hat, so muss die Reiserücktrittsversicherung zahlen.

 

 

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser hat zwei Fälle zum Thema Reiseversicherung für Sie zusammengefasst:

Reiserücktrittskostenversicherung: Zwei separat gebuchte Reisen "beginnen" zweimal

Wird eine Pauschalreise gebucht und tritt während der Reise eine Krankheit auf, die zum Rückflug berechtigt, so braucht die Reiserücktrittskostenversicherung nicht mehr zu leisten, wohl aber die Reiseabbruchversicherung (die regelmäßig die erhöhten Aufwendungen für die Rückreise übernimmt, nicht aber die Stornokosten für das Hotel, wenn der Abbruchgrund bereits während der Anreise eintritt). Wurden aber der Flug und der Hotelaufenthalt separat gebucht, so dass es sich nicht um eine Pauschalreise handelt, so handelt es sich um zwei Reisen. Kann das Hotel nicht in Anspruch genommen werden, weil eine Versicherte wegen eines Herzinfarktes auf dem Hinflug gar nicht einchecken kann, so ist dafür die Reiserücktrittskostenversicherung zuständig. (LG Hagen, 10 O 195/11)

 

Reiseabbruchversicherung: Aus dem Hafen - aber nicht der Haftung

Ein Schiffsreisender hatte eine Pauschalreise in Höhe von 13.000 Euro angetreten, als er sich bei einem Landgang eine schwere Fußverletzung zuzog. Da er operiert werden musste, konnte er seinen Urlaubstrip nicht weiter fortsetzen, trat die Rückreise an und verlangte von seinem Urlaubsabbruch-Versicherer Entschädigung für die Heimreise-Mehrkosten sowie die nicht in Anspruch genommenen restlichen Reiseleistungen. Doch der Versicherer stellte sich hinsichtlich der Entschädigung für nicht beanspruchte Leistungen quer, da der Mann zum Zeitpunkt des Unfalls die Reise bereits "angetreten" habe. Das Landgericht Düsseldorf bezeichnete diese Argumentation als gegenstandslos, da eine solche Formulierung den Sinn einer Abbruch-Versicherung ad absurdum führen würde. So handele es sich bei einer Schiffspauschalreise nicht um eine einheitliche Reiseleistung, sondern um abgrenzbare Teilleistungen (zum Beispiel Verpflegung an Bord, Übernachtung, Beförderung), die auch gesondert entschädigt werden müssten. (LG Düsseldorf, 11 O 40/12)

 

(Wolfgang Büser)