Twitter icon
Facebook icon
Google+ icon

Reiserücktrittskostenversicherung: Nur „unerwartete“ Beschwerden sind versichert

Vorerkrankungen können vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sein

Der Versicherungsschutz einer Reiserücktrittsversicherung kann sehr nützlich sein. Sie soll Versicherte vor anfallenden Kosten bewahren, wenn diese eine Reise krankheitsbedingt nicht antreten können. Versicherte sollten jedoch beachten, dass eine Versicherung nicht bei jeder  Erkrankung zahlen muss. In der Regel sind nur „unerwartete“ Beschwerden im Versicherungsschutz enthalten. Tritt vor einer Reise eine bereits bekannte Erkrankung ein kann der Versicherungsschutz entfallen. Vorerkrankungen dürfen zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, eine Versicherung muss aber nicht zahlen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung besonders hoch war.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

1938 in Dortmund geboren, arbeitete lange Zeit für eine gesetzliche Krankenversicherung und ist seit 1984 als Freier (Fach-)Journalist für Rechtsthemen tätig,

Im Fernsehen tritt er als Berater und Rechtsexperte auf und war unter anderem drei Jahre lang für die ZDF-Gerichtsshow "Streit um drei" vor der Kamera.

Heute gibt Wolfgang Büser Tipps regelmäßig unter anderem in Sendungen des ARD-Morgenmagazins (alle 2 Wochen in den "ungeraden" Wochen des Jahres), "daheim und unterwegs" (im WDR Fernsehen) sowie der "drehscheibe Deutschland" (im ZDF). Außerdem ist er mit seinen Tipps im WDR 4 sowie für mehrere Printmagazine tätig.

 

Lesen Sie hier eine Sammlung verschiedener Urteile zur Reiserücktrittsversicherung:

 

Rückenschmerzen kommen nicht "unerwartet"

Ein regelmäßig unter Rückenbeschwerden leidender Mann hatte eine Reise gebucht und eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen. Als er kurz vor Fahrtantritt wegen massiver Rückenschmerzen den Urlaubstrip stornierte, verlangte er die entstandenen Stornokosten vom Reiserücktrittskosten-Versicherer zurück. Doch dieser stellte sich quer - und erhielt Recht vor dem Landgericht Duisburg. Zwar könne eine bekannte Grunderkrankung den Schutz nicht grundsätzlich ausschließen. Versichert seien aber nur „unerwartete“ Beschwerden. Somit komme es allein darauf an, ob dem Reisewilligen die Wahrscheinlichkeit auftretender Beschwerden soweit bewusst gewesen sei, dass ein "vernünftiger" unversicherter Urlaubssuchender von der Reisebuchung abgesehen hätte. Da nachgewiesen werden konnte, dass der Mann am Tag vor der Buchung unter sich verstärkenden Rückenschmerzen litt, durfte er nicht davon ausgehen, den von ihm gebuchten Urlaub zwei Monate später beschwerdefrei anzutreten. (LG Duisburg, 7 S 187/11)

 

Psychische Erkrankung darf ausgeschlossen sein

Das Amtsgericht München hat entschieden, dass eine Reiserücktrittskostenversicherung im Falle einer psychischen Erkrankungen nicht leisten muss. Im konkreten Fall hatte ein Paar eine Pauschalreise nach Cancun, Mexiko zum Preis von 3.500 € gebucht und eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen. Als der Mann an einer mittelgradigen Depression erkrankte, stornierten sie die Reise. Das geschah zu einem Zeitpunkt, zu dem 2.000 Euro Stornokosten angefallen sind, die sie von der Reiserücktrittskostenversicherung verlangten. Vergeblich, denn die hatte eine Klausel in den Bedingungen, dass ein Leistungsanspruch nicht gegeben sei, wenn eine psychische Erkrankung zur Stornierung führe. Zu Recht, so das Amtsgericht München. Ist die Klausel weder überraschend noch nach Inhalt, Umstand oder dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrages so ungewöhnlich, dass mit ihr nicht gerechnet werden könnte, so sei auf die Erkenntnismöglichkeiten eines Durchschnittskunden abzustellen. Ein „Überrumpelungs- und Übertölpelungseffekt“ konnte das Gericht ebenso nicht feststellen. (AmG München, 172 C 3451/13)

 

Wer alt ist, darf auch chronisch krank stornieren

Eine 92jährige Frau hatte eine Auslandsreise gebucht, konnte ihren Urlaub aber aufgrund der starken Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nicht antreten. Als sie die Reise stornieren und ihren Reiserücktrittskosten-Versicherer in Anspruch nehmen wollte, stellte sich dieser jedoch quer. Die Frau litt schon seit längerem unter einer chronischen Niereninsuffizienz, so dass es sich nicht um eine "unerwartete" Erkrankung gehandelt habe. Das Amtsgericht Kassel folgte dem allerdings nicht und sprach der Frau den Ersatz der Stornokosten zu. So hätte nach Auskunft ihres Hausarztes die ältere Dame mit ihrem Leiden die Reise problemlos durchführen und auch noch eine gewisse Zeit damit leben können, da es sich um eine altersgerechte Erkrankung handele, die unauffällig stabil verlief. Insofern habe sie nicht damit rechnen müssen, dass es zu einer plötzlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes komme. (AmG Kassel, 435 C 2419/12)

(Wolfgang Büser)