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Rechtsschutz trotz gekündigter Rechtsschutzversicherung

  1. In der Regel muss auch eine gekündigte Rechtsschutzversicherung für die Kosten von Rechtsstreitigkeiten aufkommen, deren Ursprung im alten Versicherungszeitraum liegt.
  2. Bei neuabgeschlossenen Rechtsschutzversicherungen ist unbedingt die Wartezeit zu beachten.
  3. Die gekündigte Rechtsschutzversicherung muss jedoch den entsprechenden Rechtsbereich abdecken. Andernfalls werden keine Kosten übernommen.

Rechtsschutz trotz gekündigter Rechtsschutzversicherung

 

Auch wenn eine Rechtsschutzversicherung gekündigt wurde besteht Rechtsschutz für Rechtsstreitigkeiten, deren Entstehung in den abgeschlossenen bzw. bereits gekündigten Versicherungszeitraum fällt. Schließlich wurden die jeweiligen Beiträge für den versicherten Zeitraum gezahlt. Kommt es also zu einem Rechtsstreit, dessen Ursprung in der vergangenen Versicherungsperiode liegt,  ist die bereits gekündigte Rechtsschutzversicherung verpflichtet die Kosten gemäß den damaligen Vertragsbestimmungen zu übernehmen. Eine neu abgeschlossene Rechtsschutzversicherung übernimmt diese Kosten in der Regel nicht, da der Rechtsstreit während des vorherigen Versicherungszeitraums entstanden ist.

Folglich besteht für den ehemaligen Versicherungszeitraum Rechtsschutz, auch wenn gar keine neue Rechtsschutzversicherung abgeschlossen wurde oder besteht. Wichtig ist jedoch auch, dass alle Beiträge an die gekündigte Rechtsschutzversicherung gezahlt wurden.

 

Beim Kündigen einer Rechtsschutzversicherung sollte auf die Wartezeit geachtet werden

In jedem Fall sollte die Wartezeit bei einem Neuabschluss der Rechtsschutzversicherung beachtet werden. In der Regel beträgt diese drei Monate. Während dieser Wartezeit oft kein Rechtsschutz und Kosten aus Rechtsstreitigkeiten, die während der drei Monate entstanden sind, werden nicht von der Rechtsschutzversicherung übernommen.

Kommt es zu einem Wechsel zwischen zwei Rechtsschutzversicherung kann diese Wartezeit umgangen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass die neue Rechtsschutzversicherung ohne große zeitliche Unterbrechung zum Rechtsschutz der alten Rechtsschutzversicherung abgeschlossen wird. Ein zeitlich nahtloser Wechsel ist erforderlich um die Wartezeit zu vermeiden. Auch sollte auf die von der Rechtsschutzversicherung abgedeckten Bereiche geachtet werden. Waren die entsprechenden Rechtsbereich schon durch die alte Rechtsschutzversicherung abgedeckt, entfällt die Wartezeit. Neu abgeschlossene Rechtsbereiche sind jedoch von der drei monatigen Wartezeit betroffen.

 

Nicht immer sind die versicherten Rechtsbereiche gleich

Rechtsschutzversicherungen unterscheiden sich maßgeblich in den von ihnen abgedeckten Rechtsbereichen. So kann es vorkommen, dass die alte Rechtsschutzversicherung den vom Rechtsstreit betroffenen Rechtsbereich gar nicht abgedeckt hat. In diesem Fall übernimmt die alte Rechtsschutzversicherung entstehende und entstandene Kosten aus der Rechtsstreitigkeit nicht. Auch wenn der Rechtsstreit in den Versicherungszeitraum der alten Rechtsschutzversicherung fällt.

Im Allgemeinen können Rechtsschutzversicherungen folgende Bereiche abdecken:

 

  1. Der Privatrechtschutz für privatrechtliche Streitigkeiten ab. Diese können zum Beispiel mit dem Nachbarn entstehen oder einen Kaufvertrag betreffen. Oft ist auch die gesamte Familie mitversichert.
  1. Der berufliche Rechtsschutz deckt Rechtsstreitigkeiten in Bezug auf das Arbeits- bzw. Dienstverhältnis ab.
  1. Der Verkehrsrecht Versicherungsschutz deckt Rechtsverfahren im Verkehrsrecht ab. Dabei gibt es zwei Arten von Verkehrsrechtsschutzversicherungen: den Fahrzeugrechtsschutz und den Fahrerrechtsschutz. Beim Fahrzeugrechtsschutz versichert die Rechtsschutzversicherung alle Fahrer, die das vorher bestimmte Fahrzeug benutzen. Im Gegensatz dazu ist bei der Fahrerversicherung nur der versicherte Fahrer rechtlich abgesichert, unabhängig vom genutzten Fahrzeug.
  1. Immobilien- und Grundstücke können auch durch eine Rechtsschutzversicherung abgedeckt werden. Dies gilt für Mieter und Vermieter. Die Rechtsschutzversicherung ist immer auf das jeweilige Gebäude oder Objekt bezogen. Außerdem können zum Beispiel Stellplätze oder Garagen mitversichert werden.

 

Die Höhe der Beiträge der Rechtsschutzversicherung richtet sich nach dem Versicherungsumfang. Je mehr Rechtsbereiche von der Rechtsschutzversicherung abgedeckt werden, desto höher fallen die zu bezahlenden Versicherungsbeiträge aus. Außerdem ist nicht jeder Rechtsschutzbereich für jeden sinnvoll. Man sollte den benötigten Umfang einer  Rechtsschutzversicherung genau abwägen.

 

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Wolfgang Büser beantwortet die Frage zum Thema "Rechtsschutz trotz gekündigter Rechtsschutzversicherung" wie folgt:

Muss eine bereits gekündigte Rechtsschutzversicherung für Rechtsstreitigkeiten aufkommen, deren Sachverhalt in den Zeitraum fällt, in dem die Versicherung noch bestanden hat? Hier geht es um einen Rechtsstreit mit dem früheren Arbeitgeber meiner Frau, der jetzt mitgeteilt hat, dass sie von 2007 bis 2011 zu viel Gehalt überwiesen bekommen habe, was ihr nicht aufgefallen ist. Die neu abgeschlossene Rechtsschutzversicherung will die Kosten nicht übernehmen und verweist auf die „alte“ Versicherung.

 

Und das ist korrekt. Denn wenn der „Versicherungsfall“ zu einem Zeitpunkt eingetreten ist, in dem noch die Versicherung „A“ zuständig war (übersetzt: noch die Beiträge die für die Bereitstellung des Versicherungsschutzes erhielt), so hat sie auch dafür zu leisten. Dies unabhängig davon, dass die Versicherung inzwischen aufgelöst worden ist; denn der „Schaden“ bezieht sich auf eine Zeit vorher. Die neue Versicherung „B“ ist nur für Versicherungsfälle zuständig, die beim Abschluss des Vertrages noch nicht eingetreten waren.

(Wolfgang Büser)