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Plötzliche Straßenglätte: 60 bis 120 Euro Bußgeld und „Punktrakete“ - wegen Sommerreifen

Daran führt kein Weg vorbei: Wer wintertags im Auto sitzt oder (trotz allem) Motorrad fährt, der muss mit der passenden Bereifung unterwegs sein, will er keinen Ärger bekommen. Denn es ist längst vorgeschrieben: Die „Ausrüstung ist den Witterungsverhältnissen anzupassen“. Wer da dann mit Sommerreifen unterwegs ist, obwohl Winterpneus angemessen wären, könnte schlechte Karten haben.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen sind unfreiwillige Rutschpartien die Folge, nicht selten verbunden mit Zusammenstößen und Verletzungen. Zum anderen ist die Polizei – außer mit Erste-Hilfe-Maßnahmen – auch mit dem Schreiben von Verwarnungen, umgangssprachlich Knöllchen genannt, beschäftigt:

 

  • Mit 60 Euro sind diejenigen dran, die nur schlecht ausgerüstet unterwegs sind, also zum Beispiel keine Winterreifen aufgezogen haben.
  • 80 Euro müssen Fahrzeugbesitzer blechen, die zusätzlich den Verkehr „behindern“, also zum Beispiel auf leicht oder stärker ansteigenden Strecken nicht nur nicht in der Spur bleiben, sondern sich querstellen und damit lange Staus auslösen.
  • 100 Euro kostet es bei einer „Gefährdung“ anderer Verkehrsteilnehmer,
  • 120 Euro, wenn es wegen der „schwächeren“ Bereifung zu einem Unfall gekommen ist.
  • Ein Punkt in Flensburgs Sünderkartei ist jeweils die zusätzliche Folge – was im Vergleich zum früheren Recht mehr als eine Verdoppelung bedeutet (jetzt 1 von maximal 8 Punkten bis zum Führerscheinentzug, vorher war es 1 von 18 Punkten).

 

Zwar gibt es in Deutschland nach wie vor keine generelle Pflicht, Winterreifen aufzuziehen. Doch sind solche Reifen für diejenigen Pflicht, die bei „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte auf der Fahrbahn“ unterwegs sind. Wer hier nicht die richtigen Pneus aufgezogen hat (Automobilclubs empfehlen M+S-Reifen mit dem Schneeflocken-Symbol), der kann zur Kasse gebeten werden. Das bedeutet: Ohne einen entsprechenden „Straßenbelag“ darf auch im Winter mit Sommerreifen gefahren werden, was besonders in schneearmen Regionen genutzt werden kann oder wenn vorübergehend auf öffentliche Verkehrsmittel ausgewichen werden kann.

 

Übrigens gehört zur „passenden Ausrüstung“ auch, so steht es ebenfalls in der Straßenverkehrsordnung, dass die Scheibenwaschanlage mit einem Frostschutzmittel ausgestattet ist. Dies wurde – wie beim Hinweis auf die geeignete Bereifung - mit dem Beiwort „insbesondere“ versehen. Daraus ist zu schließen, dass es auch noch andere Kriterien geben kann, die zu einer „geeigneten Ausrüstung“ gehören können. Ob dies für längere ungeplante Aufenthalte auf einer Autobahn eine „Notverpflegung“ sein kann oder ein voller Reservekanister, ist gerichtlich noch nicht entschieden...

 

Und es könnte auch darüber Streit geben, welche Profiltiefe ein Winterreifen mindestens haben muss, um als „geeignet“ angesehen zu werden: Reichen die rechtlich zulässigen 1,6 Millimeter oder sollten es besser, wie es Reifenfachleute empfehlen, mindestens 4 Millimeter sein? Sie gehen damit lieber auf Nummer sicher...