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Mietrecht: Wann muss ein Mieter für den Wohnungsschlüssel zahlen?

Bei schuldlosem Verlust des Wohnungsschlüssels muss der Mieter nicht für die Neuanschaffung aufkommen

Grundsätzlich wird bei einem Neueinzug ein Mietvertrag zwischen Vermieter und Mieter abgeschlossen. Dieser enthält alle Absprachen und gesetzlichen Regeln; auch den Umgang mit dem Wohnungsschlüssel. Prinzipiell ist der Mieter für den Schlüssel verantwortlich, sodass er auch alle Kosten übernehmen muss, falls er den Wohnungsschlüssel verliert. Ist der Mieter nicht Schuld am Verlust des Wohnungsschlüssels, muss er den Schaden auch nicht übernehmen, sondern der Vermieter kommt dafür auf.

Dies tritt ein, wenn dem Mieter der Schlüssel schuldlos bzw. bei täglichem Gebrauch abbricht oder wenn dem Mieter der Wohnungsschlüssel gestohlen wird. Dies setzt jedoch voraus, dass der Schlüssel nicht offen liegen gelassen, sondern sicher aufbewahrt wurde. Sobald der Schlüssel durch den Mieter verloren geht oder aufgrund seines Verschuldens geklaut wird, muss der Mieter die Neuanschaffung des Schlüssels zahlen. Ansonsten kommt der Vermieter für die entstandenen Kosten auf.

Achten Sie also darauf, ihren Schlüssel immer sicher zu verstauen. Damit verringern Sie nicht nur das Risiko ihren Schlüssel zu verlieren, sondern vermeiden auch unnötigen Ärger mit ihrem Vermieter.

Auch die Amtsgerichte in Berlin, Hamburg und Halle entschieden jetzt, dass Mieter bei schuldlosem Verlust des Wohnungsschlüssels nicht für die Neuanschaffung des Schlüssel oder der Schließanlagen zahlen müssen.

Damit Sie im Fall des Verlust des Wohnungsschlüssels preisgünstig versichert sind, können Sie mit dem Vergleichsrechner für die Privathaftpflichtversicherung die aktuell günstigsten Policen finden! Achten Sie bitte im Versicherungsvertrag genau darauf, dass der Verlust von Wohnungsschlüsseln mit in dem Versicherungsvertrag inkludiert ist. Wohnungsschlüssel sind nämlich nicht immer mit in einer Privathaftpflicht versichert.

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser,

Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen. Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite. Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser zitiert hierzu folgende Urteile:

Überfallener Mieter muss nicht auch noch das Auswechselschloss bezahlen

Wird ein Mieter überfallen und ist dabei auch der Wohnungsschlüssel abhanden gekommen, so darf der Vermieter die Kosten neuer Haus- und Kellertürschlösser (hier in Höhe von 1.000 €) nicht vom Mieter ersetzt verlangen. Daran ändert auch eine Klausel im Mietvertrag nichts, wonach die Ersatzpflicht sich aus dem Passus im Mietvertrag ergeben soll, dass mit verloren gegangenen Schlüsseln gegebenenfalls "Missbrauch" betrieben werden könne. Die Klausel ist für solche Fälle unwirksam. (AmG Berlin-Spandau, 6 C 546/12)

 

Für "schuldloses" Abbrechen des Wohnungsschlüssels zahlt der Mieter nicht 

Ein Mieter, dem der Wohnungsschlüssel abbricht, braucht für diese "Beschädigung der Mietsache" keinen Schadenersatz zu leisten (hier vom Vermieter in Höhe von 75 € gefordert). Das gelte jedenfalls dann, wenn der Mieter nicht gegen mietvertragliche Obhutspflichten verstoßen habe. Für "vertragsgemäßen Gebrauch" müsse ein Mieter nicht haften, wenn dabei ein Schaden entstehe, so das Gericht. (AmG Halle, 93 C 4044/08)

 

Schuldhaftes Verbummeln des Haustürschlüssels geht auf Mieters Kappe 

Sagt eine Mieterin gegenüber dem Vermieter aus, dass ihr Sohn den Haustürschlüssel für das Mietshaus in Hamburg vermutlich "am Strand von Rostock" verloren habe, so kann der Eigentümer dennoch nicht davon ausgehen, dass mit dem abhanden gekommenen Schlüssel kein Missbrauch begangen wird. Er darf die Schließanlage auswechseln und die Kosten dafür der Mieterin in Rechnung stellen. Sie hat den Schlüssel schuldhaft verloren, weil ein solcher Verlust - wenn auch durch den Sohn verursacht - nur dadurch passieren kann, dass sie den Türöffner "nicht hinreichend sorgfältig mitgeführt" hatte. (AmG Hamburg-Mitte, 43b C 228/07)

 

Verlorener Haustürschlüssel kann fast 2.000 Euro kosten

Gibt der Mieter einer Eigentumswohnung dem Eigentümer beim Auszug nur einen statt der erhaltenen zwei Haustürschlüssel zurück, so hat der Mieter nicht nur Ersatz für den nicht mehr auffindbaren Zweitschlüssel zu leisten, sondern auch für den Austausch der gesamten Schließanlage (was sich hier auf knapp 2.000 € summierte). Das gilt selbst dann, wenn die Schließanlage gar nicht erneuert wird. Dazu das Landgericht Heidelberg: Soweit dies unterlassen wird, handelt die Eigentümergemeinschaft auf eigenes Risiko. "Dann steht dem Gewinn der Schadenersatzsumme der Verlust gegenüber, der sich im Falle der Verwirklichung der Missbrauchsgefahr durch Diebstahl oder Vandalismus Dritter niederschlägt, ohne dass diese Folgeschäden der ursprünglichen Pflichtverletzung des Mieters noch haftungsrechtlich zurechenbar und von diesem zu ersetzen wären." (LG Heidelberg, 5 S 52/12)

(Wolfgang Büser)