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Massenkarambolage versicherungstechnisch: Geschonter Schadenfreiheitsrabatt / Die Schadenregulierung ist einfacher geworden

Plötzlich auftretender Nebel war der Auslöser für die Massenkarambolage auf der A 33 bei Paderborn (NRW) am frühen Neujahrsmorgen, bei der ein Autofahrer sein Leben verlor. Zahllose Verletzte gab es, und in den Unfall waren mehr als 20 Fahrzeuge verwickelt.

Solche Massenunfälle sind eher selten und passieren meist eben bei Nebel, Glatteis oder Schneetreiben. Der letzte derart große Crash in Deutschland wurde allerdings durch einen Sandsturm ausgelöst. Bei Rostock kollidierten 2011 insgesamt 83 Fahrzeuge, wobei acht Menschen starben und mehr als 100 Personen verletzt wurden.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

 

Naturgemäß ist es bei Unfällen, an denen zahlreiche Autos beteiligt sind, schwer, jeweils „Schuldige“ zu finden. Denn der so genannte Anscheinsbeweis, dass der „Hintermann“ die Ursache dafür war, dass er den Vordermann „kleiner machte“, ist in diesen „Massen-Unfällen“ kaum zu führen. Deshalb wird pauschal vorgegangen, was grundsätzlich vorteilhafter für die betroffenen PKW-Besitzer ist.

Wer also in eine Massenkarambolage verwickelt wird, der muss sich – was die Regulierung der Schäden angeht - wenig Sorgen machen. Fast alle deutschen Kraftfahrtversicherer (Liste s. u.) haben ihre Vereinbarung zur Schadenregulierung nach Massenunfällen verbessert. Die neueste Fassung gilt bereits seit Mitte 2015, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Sowohl Fahrer als auch Insassen der beteiligten Fahrzeuge wenden sich direkt an den eigenen Kfz-Haftpflichtversicherer. Der übernimmt die Personen- und Sachschäden des Fahrers und der Mitfahrer sowie die Schäden am Auto – auch wenn der Halter keine Kaskoversicherung abgeschlossen hat. Der Schadenfreiheitsrabatt bleibt beim „anerkannten“ Massenunfall unberührt.

 

Kriterien für einen „Massenunfall“

Die wichtigste Zahl für einen versicherungstechnischen Massenunfall: 40 Fahrzeuge (statt bisher 50) müssen beteiligt sein. Ist der Unfallhergang nur schwer nachvollziehbar, so reichen bereits 20 Fahrzeuge, um eine Massenkarambolage zu begründen - und somit die Regulierung zu vereinfachen. Zwei weitere Bedingungen: Die Polizei darf keinen Unfallverursacher festgestellt haben. Und (an diesem Punkt wird das Reibungspotenzial wohl am größten sein): Das Unfallgeschehen muss in einem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang stattgefunden haben. Die endgültige Entscheidung darüber, ob ein Massenunfall im Sinne der Vereinbarung vorliegt, entscheidet ein Gremium des GDV. Grundlage dafür sind die Polizei-Berichte.

Die Schäden werden grundsätzlich in voller Höhe von den Kfz-Haft­pflichtversicherern der beteiligten Fahrzeuge übernommen. Bislang haben die organisierten Kfz-Versicherer (die Liste ist unter   www.gdv.de/wp-content/uploads/2015/12/Teilnehmer_Massenunfaelle-neu.pdf abrufbar) nur bei einem reinen Heckschaden 100 Prozent der Kosten übernommen. Bei Schäden an Front und Heck sowie bei Totalschäden wurden zwei Drittel, bei einem reinen Frontschaden 25 Prozent bezahlt. Außerdem waren oft nicht die eigene Kfz-Haft­pflicht­versicherung Ansprechpartner, sondern andere Versicherer.