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Marderbisse: Versicherung vs. Richter Folgeschäden sind nicht immer versichert

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft werden alljährlich für Schäden durch Marderbisse mehr als 60 Millionen Euro für über 200.000 Fälle von den Versicherungsgesellschaften bezahlt. Wer sein Auto teil- oder vollkaskoversichert hat, der ist gegen den finanziellen Schaden durch Marderbisse geschützt.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

 

Einige Tarife der Kfz-Versicherer decken nur direkte Marderschäden ab, ersetzen also nur die beschädigten Teile. Andere umfassen auch die Folgeschäden. Dann wird also auch in den Fällen gezahlt, in denen zerbissene Zündkabel den Katalysator lahmlegt haben, undichte Kühlschläuche zu Motor-Überhitzung oder kaputte Gummimanschetten zu Schäden an den Antriebs- oder Achsgelenken führten.

Zu diesem Thema haben die Gerichte allerdings eine andere Meinung. So zum Beispiel das Amtsgericht Mannheim. Dort wurde es nach einem Marderbiss technisch erforderlich, dass nicht nur Kabel, sondern auch ein damit verbundenes Teil auszutauschen war. Die Kfz-Teil­kasko­versicherung des Autobesitzers weigerte sich, auch die dafür anfallenden Kosten zu übernehmen – vergeblich.

Selbst, wenn in den Versicherungsbedingungen „Folgeschäden aller Art, insbesondere weitergehende Schäden am Fahrzeug“ vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind, sei der Schaden zu regulieren. In dem konkreten Fall ging es um die mit den Kabeln fest verbundene Lambdasonde, die in der Reparaturwerkstatt mit ausgetauscht wurde. Das Amtsgericht verurteilte den Versicherer zur Übernahme der entstandenen Kosten in Höhe von 650 Euro. Es habe sich eindeutig um „Kosten der unmittelbaren Schadenbeseitigung“ gehandelt, da bauarttechnisch keine andere Lösung möglich war. (AZ: 3 C 74/08)

In dasselbe Horn blies das Amtsgericht Zittau. Auch dort zerbiss ein Marder Kabel an einem Auto, die untrennbar mit zwei Lambdasonden verbunden waren. Es ging um 700 Euro, die die Teilkaskoversicherung nicht bezahlen wollte – jedoch musste. Sie habe den kompletten Austausch der Ersatzteile zu finanzieren und könne nicht argumentieren, der Marder habe nur die Kabel zerstört. Die Begründung, es handele sich bei den Sonden um einen nicht versicherten „mittelbaren Folgeschaden“, zog nicht (AZ: 5 C 545/05)

Und auch das Landgericht Augsburg sprach einem Autofahrer Schadenersatz nach einem Marderbiss zu. Hier war der Folgeschaden – nach dem Starten des Motors – ein Kurzschluss durch defekte Kabel, wodurch wiederrum die Benzinpumpe kaputt ging. (AZ: 4 S 4005/02)

Ganz clever wollte allerdings ein Versicherter in Berlin sein, der zwar keinen Marder hatte, jedoch die Folgeschäden durch Marderbisse in seiner Police inklusive. Er versuchte aus dieser Klausel abzuleiten, dass der Versicherer auch den Folgeschaden am Motorsteuergerät zu regulieren habe, der durch einen Brand nach einem Kurzschluss entstand. Diesen brauchte die Versicherung jedenfalls nicht zu begleichen. Nur die Schäden an der Verkabelung musste sie übernehmen. In diesem Punkt seien die Versicherungsbedingungen in Ordnung, so das Amtsgericht Berlin-Mitte. (AZ: 10 C 271/08)

 

Weitere Urteile, in denen das Raubtier „Hauptperson“ war - wenngleich ohne Bezug zum Auto...:

Wenn ein Marder ein ganzes Dach als "Wohnung" benutzt hat... -  - Hat ein Hauseigentümer nur einen Teil seines Daches sanieren lassen, weil sich dort ein Marder eingenistet hatte, und verkauft er das Anwesen später, ohne den Käufer darauf aufmerksam zu machen, so ist er trotz Ausschluss der Gewährleistung zum Schadenersatz verpflichtet, wenn der Käufer Jahre später feststellt, dass die "Teilsanierung" des Vorbesitzers bei weitem nicht ausgereicht hatte. Das Koblenzer Oberlandesgericht sah in dem Schweigen des Verkäufers eine arglistige Täuschung und bürdete ihm den geltend gemachten Schadenersatz in Höhe von 25.000 Euro auf. (OLG Koblenz, 4 U 874/12)

 

Ein Terrier ist für eine Geflügelzucht nicht notwendig - Auch wenn der Halter eines Staffordshire-Terriers als Betreiber einer Freilandgeflügelfarm angibt, den Hund halten zu müssen, um seinen Geflügelbestand vor Füchsen und Mardern zu schützen, so kann er nicht von der Hundesteuer befreit werden. Zwar sei das für "gewerbsmäßig tätige Hunde" möglich; hier wurde jedoch nicht deutlich, warum er nicht auch einen wirksamen Schutz gegen die Eindringlinge durch Zäune erreichen könne. Und das zumal dann, weil er als Halter eines Kampfhundes ohnehin verpflichtet ist, effektive Zaunanlagen zu errichten.

(VwG Trier, 2 K 58/10)

 

Zu allgemein darf ein Verbot nicht gehalten sein - Berliner Jäger dürfen (wieder) Steinmarder, Blässhühner, Ringeltauben und Stockenten schießen. Das Verwaltungsgericht Berlin hat die 2007 eingeführte Landes-Jagdzeitenverordnung für teilweise nichtig erklärt. (Die Jagd war durch Aufhebung der bundesrechtlich festgesetzten Jagdzeiten per Verordnung praktisch verboten worden, was im Falle des Steinmarders damit begründet worden war, dass er nur mit Fallen effektiv gejagt werden könne. Da die Fallenjagd in Berlin aber verboten ist, sei die Festlegung einer Jagdzeit nicht sinnvoll. Das Gericht hielt diese Einschätzung nicht für tragfähig, weil eine Einschränkung nur aus den im Bundes- oder Landesjagdgesetz genannten Gründen möglich sei, wie zum Beispiel "der Hege des Wildes". Auch das Argument für das Verbot der Jagd der Vogelarten, dass ein Großteil der Tiere bei der Jagd mit Schrot nicht tödlich getroffen, sondern nur verletzt werde, reiche nicht aus. Dann dürfe eben nur die Schrotjagd verboten werden, nicht aber die Jagd allgemein.)

(VwG Berlin, 1 A 193/07)