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Kind im Krankenhaus: Spezialregelung für „Gesetzliche“: Auch für die Mutter zahlt die Krankenkasse

Kind im Krankenhaus: Spezialregelung für „Gesetzliche“: Auch für die Mutter zahlt die Krankenkasse

Diese Frage bewegt Eltern: Sollen sie ihr Kleinkind, das stationär ins Krankenhaus muss, für die Dauer der Behandlung betreuen? Unabhängig von den Problemen, die dadurch auftreten können - auch bezüglich des Pflegepersonals der Krankenhäuser: Muss diese Elternbetreuung von den Krankenkassen finanziert werden? In manchen Fällen ja.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Der klassische Fall der Kostenübernahme eines Klinikaufenthaltes auch für eine Begleitperson des Kindes kann zum Beispiel gegeben sein, wenn zu erwarten ist, dass das Kind ohne die Mutter, den Vater oder einen anderen Angehörigen Verhaltensstörungen zeigt. Wenn also die Anwesenheit einer vertrauten Person die „beste Medizin“ ist. Diese Aussage mit Blick auf das Wohl des Kindes muss allerdings ärztlich bestätigt werden. Denn das Sozialgesetzbuch fordert für die Kostenübernahme die „aus medizinischen Gründen notwendige“ Mitaufnahme einer Begleitperson des Versicherten.

 

Dass dies insbesondere bei Kleinkindern infrage kommen kann, die noch nicht sprechen können, versteht sich. Die Mitaufnahme ist aber grundsätzlich nicht an eine Altersgrenze für das kranke Kind gebunden, kann also zum Beispiel auch bei einem jugendlichen Behinderten „medizinisch angezeigt“ sein.

 

Die Krankenkassen sind in diesen Fällen außerdem verpflichtet, während der Dauer des „rooming in“ auch die Kosten einer für den Familienhaushalt erforderlichen Haushaltshilfe zu übernehmen, die weitere Kinder der oder des Versicherten betreut, die noch nicht zwölf Jahre oder behindert sind. Und sollte ein erwerbstätiger Elternteil sein Kind im Krankenhaus betreuen, der dafür unbezahlten Urlaub genommen hat, so wird ihm auch dieser Verdienstausfall ersetzt.

 

All dies gilt für gesetzlich Krankenversicherte (AOK, Betriebs-, Innungs- und Ersatzkrankenkassen, Knappschaft-Bahn-See). Sie springen nach einer alten Entscheidung des Bundessozialgerichts auch dann für eine „Begleitperson“ ein, wenn diese im Krankenhaus an einem sogenannten Mutter-Kind-Kurs teilnimmt. Das heißt: Wenn die Mutter während des stationären Aufenthaltes ihres Kindes eine spezielle Betreuung und Pflege lernt und außerdem angeleitet wird, zu Hause krankengymnastische oder beschäftigungs-/sprachtherapeutische Übungen mit dem Kind selbstständig durchzuführen.

 

Für den Normalfall gilt: Die Unterbringung und Verpflegung der begleitenden Person im Krankenhaus finanzieren die gesetzlichen Krankenkassen mit bis zu 45 Euro am Tag. Bei Kindern, die das 9. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, geschieht das „ohne Aufwand“. Für ältere Kinder muss der Arzt bestätigen, dass die Anwesenheit eines Elternteils im Krankenhaus notwendig ist.

 

Ob der zusätzliche Klinikaufenthalt eines Elternteils auch von einer privaten Krankenversicherung finanziert wird, richtet sich nach dem individuell vereinbarten Tarif. Dafür sind verschiedene Modelle denkbar. Im Regelfall wird aber - wie in der „Gesetzlichen“ - auf die medizinische Notwendigkeit abgestellt, mit der die Mitaufnahme einer erwachsenen Person begründet wird. Oder es wird der Abschluss einer Krankenhaustagegeld-Versiche­rung (für das Kind) empfohlen, aus der sich für die Begleitung das Extra-Bett finanzieren lässt.