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Kfz-Versicherung muss Vorschuss gewähren

Geschädigte müssen Zahlung für Reparatur nicht vorstrecken, wenn sie es sich nicht Leisten können.

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung dient dazu Schadensansprüche von Verkehrsteilnehmern zu decken, die unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden sind. Die Kosten für eine Reparatur muss die Versicherung in der Regel direkt bezahlen. In Ausnahmefällen kann es jedoch passieren, dass ein Geschädigter eine Reparatur zunächst selber finanzieren muss. Dies aber nur dann, wenn er dadurch keinen wirtschaftlichen Schaden erleidet.

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser,

Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Lesen Sie hier drei Urteile zu diesem Thema:

Ein "unschuldiger" Azubi muss keinen 4.000 Euro-Kredit aufnehmen

Ist ein Auszubildender unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt worden und kann er, um sein Gefährt fachgerecht reparieren zu lassen, keinen Kredit (der hier in Höhe von 4.000 € fällig gewesen wäre) aufnehmen, so hat ihm die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers einen "auskömmlichen" Vorschuss zu zahlen. Dafür reicht es nicht aus, zunächst 1.200 Euro und dann noch einmal 800 Euro zu überweisen. Lässt der junge Mann seinen Wagen deshalb (noch) nicht reparieren, so kann er über die eigentlich nur erforderliche Zeit für die Reparatur hinaus eine Nutzungsausfallentschädigung verlangen (hier für 54 Tage bei von der Reparaturwerkstatt geschätzten 5 bis 6 Tagen). (Hier ging die Versicherung zunächst auf die Forderung eines ausreichenden Vorschusses trotz Kenntnis davon nicht ein, dass ihr Versicherter den Unfall voll verschuldet hatte. Eine schriftliche Reparaturfreigabe hatte sie ebenfalls nicht erteilt.) (LG Stendal, 22 S 108/12)

 

Wer Mittellose warten lässt, muss länger zahlen

Ein Autofahrer war in einen Unfall geraten, bei dem sein Fahrzeug stark beschädigt wurde. Da er mittellos war, teilte er dem Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers mit, dass er erst nach dessen Regulierungszusage den Reparaturauftrag erteilen könne. Als das Versicherungsunternehmen erst 36 Tage später das Einverständnis gab, verlangte der Mann auch für diesen Zeitraum eine Nutzungsausfallentschädigung. Das Landgericht Hamburg verpflichtete den Versicherer zur Zahlung, da der Geschädigte nicht gegen die Schadenminderungspflicht verstoßen habe. So konnte dieser aufgrund des zögerlichen Verhaltens seitens des Unternehmens zu Recht mit der Reparatur warten, demgegenüber müsse der Haftpflichtversicherer dafür sorgen, in Kenntnis der finanziellen Lage des Betroffenen gegebenenfalls früher die Regulierungszusage zu erteilen - oder einen Vorschuss zu zahlen. (LG Hamburg, 331 S 35/12)

 

Sträubt sich die Gesellschaft übermäßig lange, wird's übermäßig teuer

Dauert es ein ganzes Jahr, bis eine Kfz-Haftpflichtversicherung für einen Verkehrsunfall eintreten will, den ein Versicherter schuldhaft verursacht hat, und hat der geschädigte Autofahrer in der gesamten Zeit das Fahrzeug nicht nutzen können, da er weder für die Reparatur das nötige Geld hatte noch von einer Bank einen Kredit aufnehmen konnte, so muss der Haftpflichtversicherer für den gesamten Zeitraum eine Nutzungsausfallentschädigung zahlen (hier für 365 Tage 12.995 €). (LG Aachen, 11 O 189/12)

(Wolfgang Büser)