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Hinterbliebenenrente für den Ehepartner

Erst nach einem Jahr Ehe besteht Anspruch auf Hinterbliebenenrente

Hinterbliebenenrente steht Witwen und Waisen zu, die ihren Ehepartner oder einen Elternteil verloren haben. Für Ehepartner gilt jedoch, dass eine Ehe in der Regel mindestens ein Jahr bestanden haben muss, um Hinterbliebenenrente zu erhalten. Zudem kann die Rente entfallen, wenn z. B. erst nach einer schlimmen Diagnose geheiratet wurde. In diesen Fällen wird häufig von einer Versorgungsehe ausgegangen um die Rente zu erhalten. Dabei kann es sogar unerheblich sein, dass ein Paar schon vor der Hochzeit viele Jahre zusammengelebt hat. Allerdings gibt es zu jeder Regel natürlich auch eine Ausnahme.

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser,

Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Lesen Sie hier zwei Fälle zur Hinterbliebenenrente:

Wird erst nach der Krebsdiagnose geheiratet, geht die Witwe leer aus

Hinterbliebenenrenten stehen nur dann zu, wenn die Ehe wenigstens ein Jahr lang bestanden hatte oder - bei kürzerer Ehedauer - der Grund für die Heirat nicht darin lag, eine "Versorgung" der Witwe/des Witwers zu erreichen. Hier gegen eine Witwe entschieden, die zwar mit dem Mann viele Jahre in einer eheähnlichen Gemeinschaft gelebt hatte, ihn aber erst heiratete, als seine lebensbedrohliche Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Kurz darauf starb er. Dass die beiden einen gemeinsamen Sohn hatten und eine "innige Liebesbeziehung" unterhielten, ferner die wiederholte Äußerung, endlich heiraten zu wollen, reichten aber nicht aus, den auf gesetzliche Witwenrente angegangenen Versicherer sowie das Landessozialgericht Baden-Württemberg zu überzeugen, dass es sich nicht um eine "Versorgungsehe" gehandelt habe. (LSG Baden-Württemberg, L 11 R 392/11)

 

Auch nach nur einer Woche Ehe kann Witwenrente zustehen...

An sich muss die gesetzliche Rentenversicherung eine Witwenrente nur dann zahlen, wenn die Ehe mindestens ein Jahr lang gedauert hat. Eine Ausnahme gilt für den Fall, dass die Witwe glaubhaft macht, die Ehe nicht deshalb geschlossen zu haben, um ihr eine Hinterbliebenenrente zu verschaffen. Das ist einer Frau gelungen, die nur eine Woche nach ihrer Heirat den - bereits im Endstadium an einem Krebs leidenden - Mann verlor. Die Besonderheit: Sie war mit ihm zuvor schon 30 Jahre lang verheiratet gewesen, aber wegen dessen Alkoholabhängigkeit durch Scheidung von ihm getrennt. Nachdem der Ex-Gatte "dem Alkohol abgeschworen" hatte, kam das Paar wieder zusammen. Und "aus tiefer Liebe" sowie auch mit religiösem Hintergrund wurde erneut "der Bund für Leben" geschlossen. Da die Witwe über eine eigene Rente und außerdem über ein beträchtliches Vermögen verfügt, hielt das Gericht ihre Aussagen für glaubhaft, dass sie nicht "aus Versorgungsgründen" erneut geheiratet hatte. (SG Heilbronn, S 11 R 561/12)

(Wolfgang Büser)