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Hausratversicherung: Welche Probleme bei einem Einbruch auftauchen können

Traurig, aber wahr: Es wird von Jahr zu Jahr mehr in private Häuser und Wohnungen eingebrochen. Wenn Sie noch keine Hausratversicherung haben, sollten Sie daher unbedingt darüber nachdenken, eine abzuschließen. Die Kosten dafür sind vermutlich geringer als Sie vermuten. Vergleichen können Sie hier.

Unser Experte Wolfgang Büser zeigt hier einige Beispiele, welche Probleme man im Anschluss an einen Einbruch mit der Versicherung haben kann.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Fehlender Zylinder ist nicht unüblich:

Nach fünf Wochen kommt eine Stehlgutliste zu spät

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

 

Die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche steigt von Jahr zu Jahr – mittlerweile gibt es zum sechzehnten Mal einen (traurigen) Rekord zu vermelden: Mehr als 152.000 Einbrüche gab es in 2014. Derartige Zahlen interessieren betroffene Eigentümer oder Mieter meist nicht. Sie haben – neben den Ängsten – oft mit den Hausratversicherern zu kämpfen. Welche Probleme auftreten können, zeigen folgende Fälle, die bis vor die Gerichte gingen.

 

Wichtig nach einem unerwünschten Besuch durch das eingeschlagene Fenster oder die aufgebrochene Haustür ist in erster Linie, dass der Bewohner Anzeige bei der Polizei stellt. Auch muss er zügig eine so genannte Stehlgutliste aufstellen, die sowohl der Polizei als auch dem Versicherer aufzeigt, was genau gestohlen worden ist. Dazu ist der Versicherte verpflichtet, es ist seine „Obliegenheit“.

Diese Obliegenheit wird verletzt, wenn sich der Hausratversicherte nach dem „Bruch“ zu lange Zeit lässt. Vor dem Oberlandesgericht Köln ging es um fünf Wochen, die der Kunde ohne triftigen Grund benötigte, um eine Stehlgutliste zu erstellen. Die Versicherung verweigerte die Regulierung – und bekam Recht. Denn die Polizei konnte zu diesem Zeitpunkt keine erfolgversprechenden Maßnahmen mehr einleiten, um die (vermeintlich) gestohlenen Sachen wieder aufzufinden. Die Liste sei „unverzüglich“, also „ohne schuldhaftes Zögern“ einzureichen, so das OLG in Köln. (AZ: 9 U 69/13) Ins gleiche Horn bläst das Oberlandesgericht Celle. (AZ: 8 U 187/08)

Jedoch geht der Schutz für „langsame“ Opfer nicht stets komplett verloren. Das Landgericht Oldenburg kürzte den Anspruch eines Versicherten um 40 Prozent, weil er die Aufstellung der Gegenstände erst einen Monat nach der Tat eingereicht hatte. Das Gericht bewerte das als „grob fahrlässig“. (AZ: 13 O 3064/09)

„Geknackte“ Tür - geklautes Schloss

Eine zügige Abgabe der Liste ist nicht alles – die Angaben müssen (natürlich) auch stimmen. In einem Fall vor dem Oberlandesgericht Naumburg hatte die Hausratversicherung Zweifel an den aufgeführten  Wertgegenständen und der Höhe des entwendeten Bargeldes, weil sich ein Zeuge in Widersprüche verwickelte. Aus der Nummer kam der Versicherte nicht mehr raus – und blieb auf seinem (wie in Wahrheit auch immer aussehenden) Schaden sitzen. Allerdings muss er nicht auch die Reparaturkosten der unzweifelhaft beschädigten Haustür verzichten. Die veranschlagten knapp 2.000 Euro mussten von der Versicherung bezahlt werden. Denn aus dem Polizeibericht ging eindeutig hervor, dass die Tür aufgebrochen wurde. „Selbst wenn (...) wegen eines behaupteten Einbruchdiebstahls nicht feststeht, ob überhaupt und wenn ja, welche konkreten Gegenstände entwendet wurden, kann der Versicherer dennoch für die Beschädigung einer Eingangstür wegen eines versuchten Einbruchsdiebstahls einstandspflichtig sein.“ (AZ: 4 U 99/11)

Zu allem Ärger über gestohlene Gegenstände kam es auch vor dem Oberlandesgericht Hamm zur Auseinandersetzung mit dem Hausratversicherer. Der verweigerte die Regulierung, da der Geschädigte widersprüchliche Angaben gemacht hatte und keine stimmigen Einbruchspuren vorlägen. So wurde der Profilzylinder des Haustürschlosses nicht am Tatort aufgefunden, was als „vorgetäuschtes Eindringen“ gewertet wurde. Die Richter des Oberlandesgerichts Hamm sahen darin aber kein Indiz für eine Scheintat. In „Knacker“-Kreisen sei es durchaus üblich, dass den Zylinder mitgehen lassen, um eine Spurensicherung am Corpus Delicti und Rückschlüsse auf mögliche Täter zu verhindern. Das äußere Bild ließe mit hinreichender Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass „die vom Versicherungsnehmer angegebene Fremdentwendung stattgefunden“ habe. (AZ: 20 U 62/11)

Abrechnung auf Gutachtenbasis?

Nochmal das Oberlandesgericht Köln: Dort sahen die Versicherungsbedingungen eines Hausratversicherers vor, dass nach einem Einbruchdiebstahl auch die dadurch hervorgerufenen Reparaturen ersetzt werden müssen. Ist nun die Terrassentür beschädigt, so wird sie - von der Assekuranz bezahlt - repariert. Allerdings müssen die Reparaturkosten auch nachgewiesen werden. Eine Abrechnung „auf Gutachtenbasis“ ist hier nicht möglich. Nur wenn tatsächlich repariert wird, muss auch gezahlt werden (anders als es bei der Kfz-Versicherung möglich sein kann.) Weil die Tür hier während des laufenden Gerichtsverfahrens, in dem der Versicherte seinen Anspruch bis zur zweithöchsten Zivilinstanz durchfocht, einwandfrei funktionierte, wurde sein Antrag endgültig abgelehnt. (AZ: 9 U 241/10)

Unzureichender Tresor

Sieht eine Klausel in den Bedingungen einer Hausratversicherung eine Höchstgrenze für nicht gesichertes Bargeld vor (hier: 3.000 €), so werde der Kunde dadurch nicht unangemessen benachteiligt. Allein mit Blick auf die günstigen Prämien könne nicht verlangt werden, dass Bargeld unbegrenzt versichert sei, so wiederum das Oberlandesgericht Hamm. Auch die Beschränkung, dass Tresore bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen, hält das Gericht für rechtswirksam. Besitze der Versicherte einen Tresor, der die Mindestbestimmungen nicht erfülle, und werde der bei einem Einbruch geleert – wobei hier angeblich 40.000 Euro Bargeld gestohlen wurden -, so müsse nur bis zur Obergrenze geleistet werden. (AZ: 20 U 247/12)

Goldene Zeiten

Ein Hausratversicherer wollte die bei einem Einbruch gestohlenen Uhren im Wert von 40.000 Euro nur hälftig ersetzen, weil es sich um „Schmuck“ handele, der hier nur bis zu 20.000 Euro versichert war. Das Oberlandesgericht Koblenz widersprach: Auch (mit Gold) verzierte Uhren haben „die Funktion der Zeitmessung“; „der Schmuckcharakter“ sei nicht der Hauptzweck des Chronometers. (AZ: 10 U 771/11)