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Häufige Fragen zum Krankenkassen-Zusatzbeitrag beantwortet

Zum Beginn des neuen Jahres 2015 gibt es mal wieder Änderungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Unser Rechtsexperte beantwortet einige häufige Fragen an dieser Stelle.

Sollten Sie Interesse haben Ihre Krankenversicherung zu wechseln, können sie unseren Krankenversicherungsvergleich nutzen.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

10 Antworten auf Fragen zum Krankenkassen-Zusatzbeitrag:

          Vor einer Kündigung: Leistungsangebot prüfen 

          Plus für Rentner: 2 Monate Aufschub möglich

          Prämien dürfen nicht mehr überwiesen werden

          Bei 30.000 € Jahresverdienst 270 € sparen

 

Das Beitragssystem der gesetzlichen Krankenkassen wird ab 2015 auf neue Füße gestellt. Statt der einheitlich 15,5 Prozent, die sich mit 8,2 für die Versicherten und 7,3 Prozent für die Arbeitgeber aufteilten (entsprechend aufgeteilt für die Rentner), „sinkt“ der Beitragssatz auf dem Papier auf 14,6 Prozent. Arbeitgeber und Versicherte (Rentenversicherer und Rentner) teilen sich diesen Satz.

Den Krankenkassen ist das Recht eingeräumt, individuelle „Zusatzbeiträge“ zu erheben – nur von den Versicherten. Geschieht das in Höhe von 0,9 Prozent, so ändert sich nichts, weil dann unterm Strich wiederum 15,5 Prozent zu zahlen sind. Ein geringerer Zusatzbeitrag bringt eine entsprechend geringere Beitragsbelastung für die Versicherten. Für die Arbeitgeber wie für die Rentenversicherungsträger ändert sich nichts. Sie ziehen jeweils den individuell maßgebenden Zusatzbeitrag vom Verdienst/der Rente ab.

Hier Antworten auf die wichtigsten Fragen zum neuen Recht:

  • Wer ist von der Zahlung eines Zusatzbeitrags ausgenommen?

Das sind die mitversicherten Familienangehörigen (Kinder, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner). Arbeitslose sind ebenfalls befreit, weil für sie die Agentur für Arbeit beziehungsweise die Jobcenter die vollen Beiträge übernehmen. Entsprechendes gilt für Sozialhilfeempfänger.

  • Kann wegen eines Zusatzbeitrags die Kasse gewechselt werden?

Ja. Die Krankenkasse ist nicht nur verpflichtet, ihre Mitglieder auf die nur für sie geltende Beitragserhöhung aufmerksam zu machen. Sie müssen zugleich auf das damit verbundene außerordentliche Kündigungsrecht aufmerksam machen – unabhängig davon, wie lange die Mitgliedschaft bisher bestanden hatte (eine reguläre Kündigung darf erst nach mindestens 18monatiger Mitgliedschaft ausgesprochen werden). Außerdem hat die Krankenkasse auf die Online-Übersicht hinzuweisen, die die Zusatzbeitragssätze aller gesetzlichen Krankenkassen aufführt – auch derer, die (noch) keinen solchen Extrabeitrag erheben. (www.gkv-spitzenverband.de – Link zur Seite „Krankenkassenliste“)

  • Zu welchem Termin darf die Kündigung ausgesprochen werden?

 Die Kündigung kann vom Mitglied zum Ablauf des Monats aus  gesprochen werden, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben wird. Beispiel: Der Zusatzbeitrag wird zum 1. April 2015 eingeführt – die Kündigung kann bis Ende April 2015 zum 30. Juni 2015 (= zum übernächsten Monat) ausgesprochen werden. Die Kasse hat ihre Mitglieder bis zum 31. März 2015 auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Wie groß bei den einzelnen Krankenkassen der Finanzbedarf ist, hängt von deren jeweiliger wirtschaftlicher Situation ab.

Dazu die Empfehlung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen: Nicht nur die Höhe des Beitrags sollte bei den Überlegungen eine Rolle spielen, wo man versichert sein will. Jede Krankenkasse kann neben den gesetzlich festgelegten Leistungen auch weitergehende Angebote machen, etwa hinsichtlich besonderer Behandlungsformen oder speziellen Services wie die Vermittlung von Facharztterminen. Auch die „persönliche Erreichbarkeit“ kann eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

  • Werden „gut situierte“ Krankenkassen künftig auch noch Prä­mien an ihre Mitglieder ausschütten?

Nein, diese Möglichkeit wurde zum Januar 2015 abgeschafft.

  • Muss ein Zusatzbeitrag separat bezahlt werden oder wird er vom Gehalt (von der Rente) abgezogen?

Bei pflichtversicherten Arbeitnehmern wird der Zusatzbeitrag direkt vom Arbeitgeber (bei Rentnern vom Rentenversicherungsträger) direkt an die Krankenkasse abgeführt. Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte (gut verdienende Angestellte, Selbstständige, auch Rentner) müssen ihren separaten Beitragsanteil – zusammen mit dem „normalen Beitrag in einer Summe - selbst überweisen.

  • Wie werden die Zusatzbeiträge von Betriebsrenten abgeführt?

Für Versicherungspflichtige, die neben einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung eine Betriebsrente beziehen, wird (auch) der Zusatzbeitrag durch die jeweilige Zahlstelle einbehalten. Für freiwillige Mitglieder ist deren Krankenkasse am Zuge.

  • Spielt der Zusatzbeitrag steuerlich eine Rolle?

Ja. Der Zusatzbeitrag erhöht den Beitrag für die Krankenversicherung – und damit die steuerlich abzugsfähigen Aufwendungen des Mitglieds.

  • Wie läuft das bei den Rentnern mit den Zusatzbeiträgen?

Für pflichtversicherte Rentner sowie Bezieher von Betriebsrenten („Versorgungsbezügen“), deren Beiträge durch die Zahlstelle an die Krankenkasse überwiesen werden, gilt eine Besonderheit: Die erstmalige Erhebung (oder künftige Veränderungen) des Zusatzbeitrags wirken sich erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei Monaten aus. Grund: Die Rentenversicherer benötigen für ihre Millionen Rentenbezieher eine Vorlaufzeit für die Umsetzung.

  • Gilt das auch für die freiwillig krankenversicherten Rentner?

Nein – sie benötigen ja keine „Vorlaufzeit“...

  • Wie viel kann durch einen Kassenwechsel gespart werden?

Ein Beispiel: Der Wechsel von einer Krankenkasse, die einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent erhebt, zu einer Kasse, die von ihren Mitgliedern keinen Beitragszuschlag fordert, erspart dem Neu-Mitglied (0,9 % von 30.000 € =) 270 Euro im Jahr. Bei 20.000 Euro Jahreseinkommen wären es 180 Euro. Hier können Sie vergleichen und wechseln.