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Geplatzter Autoreifen: Muss die Vollkaskoversicherung den Schaden übernehmen?

Ist ein Reifenplatzer ein Unfall?

Allgemein ist unter einer Kaskoversicherung eine Versicherung zu verstehen, die einen Fahrzeughalter gegen Schäden an seinem eigenen Fahrzeug versichert. Sie lässt sich in eine Teil- und eine Vollkaskoversicherung unterscheiden. Die Teilkaskoversicherung sichert gegen Wildunfälle oder Schäden durch Sturm und Hagel ab. Die Vollkaskoversicherung sichert darüber hinaus auch gegen Schäden durch Eigenverschulden oder Unfälle mit Fahrerflucht ab. Im Gegensatz zur Kfz-Haftpflichtversicherung handelt es sich nicht um eine Pflichtversicherung.

Lesen Sie unten ein Urteil zu diesem Thema. In diesem Fall des Landgerichts Karlsruhe ging es um die Frage, ob es sich bei einem geplatzten Reifen um einen Unfall handelt oder nicht.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Das Urteil des Landgerichts Karlsruhe hat unser Experte Wolfgang Büser für Sie kommentiert:

 

Vollkaskoversicherung: Reifenplatzer ist ein Unfall

Ein Autofahrer war auf einer Bundesstraße unterwegs, als ihm beim Überfahren eines größeren Gegenstandes der Reifen platzte. Dummerweise verursachte der Vorfall an der Karosserie des Wagens einen Schaden von 6.000 Euro, den der Mann von seiner Vollkaskoversicherung erstattet haben wollte. Das Versicherungsunternehmen belehrte jedoch den Mann hinsichtlich der Vertragsbedingungen, dass es sich hierbei nicht um einen Unfall sondern um einen typischen "Betriebsschaden" handele, der nicht abgedeckt sei. Die Richter des Landgerichts Karlsruhe mussten ihrerseits dem Versicherer klarmachen, dass es sich bei dem - durch einen plötzlich von außen eingedrungenen Fremdkörper verursachten - Reifenplatzer um einen Unfall handele. Denn bei der Auslegung Allgemeiner Versicherungsbedingungen komme es darauf an, wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer ohne Spezialkenntnisse bei einer aufmerksamen Durchsicht die Klauseln verstehen müsse. Aus dieser Sicht bestehe für Fehler sowie Schäden aufgrund von Abnutzung und Verschleiß kein Versicherungsschutz, im Umkehrschluss ergebe sich aber aus dem vorliegenden Reifenschaden, auf den die Unfalldefinition zutreffe, sehr wohl eine Haftungsverpflichtung des Versicherers. (LG Karlsruhe, 9 O 95/12)

(Wolfgang Büser)