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Fußgänger haben Vorrang

Autofahrer müssen auf Fußgänger besondere Rücksicht nehmen

Auf Fußgänger ist im Straßenverkehr besondere Rücksicht zu nehmen. Sie haben nicht nur an Zebrastreifen, sondern auch außerhalb förmlicher Fußgängerüberwege Vorrang. Wird ein Fußgänger beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst, kann dieser eine Mitschuld erhalten. Vor allem dann, wenn der Fußgänger nicht ausreichend geschaut hat. Die Hauptschuld bleibt in der Regel jedoch beim Autofahrer.

 

Unser Rechtsexperte Wolfgang Büser,

Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Zwei Urteile zu diesem Thema hat unser Experte Wolfgang Büser für Sie kommentiert:

Fußgänger haben auch ohne "Zebrastreifen" Vorrang, aber...

Fußgänger gelten als besonders schutzbedürftig und "genießen auch außerhalb förmlicher Übergangswege Vorrang vor Kraftfahrzeugen". So entschieden vom Oberlandesgericht Hamm im Fall einer 62jährigen Frau, die bei Regen die Straße betrat, ohne sich zu vergewissern, ob sie dies gefahrlos tun könne. Ein Pkw, der in diese Straße einbog, erfasste sie und verletzte sie schwer. Das Oberlandesgericht Hamm sprach ihr - trotz ihrer Unvorsichtigkeit - nur eine Mitschuld von 25 Prozent zu. Ihr "Vorrecht als Fußgängerin" sei "durch das Gebot der Rücksichtnahme eingeschränkt" gewesen. Die Hauptschuld mit 75 Prozent trage aber trotzdem der Autofahrer, der als Abbiegender "auf Fußgänger besondere Rücksicht" nehmen muss. Die Frau habe "auch außerhalb förmlicher Fußgängerüberwege generell eine vorrangige Stellung" eingenommen. Mit einem Fußgänger hätte er zumindest rechnen müssen. (OLG Hamm, 6 U 14/12)

 

"Ungebremst" spricht für "nicht sehen können"

Erfasst ein Autofahrer einen Fußgänger, der die Fahrbahn unachtsam überquert, so kann der Fußgänger keine anteilige Haftung des Kfz-Fahrers verlangen (hier forderte er, dass mindestens die so genannte Betriebsgefahr des Autos berücksichtigt werde), wenn sich herausstellt, dass der Fahrer den Mann nicht sehen konnte. Sprechen die übrigen Zeugenaussagen dafür, dass der über die Straße Laufende nicht zu sehen war und stellt ein Gutachter fest, dass der Passant ungebremst angefahren wurde, so sinkt die Betriebsgefahr des Autos auf "0". Der Unfall war "unabwendbar" - die Lebenserfahrung zeigt, dass "ein Autofahrer, der einen auf der Fahrbahn befindlichen Fußgänger wahrnimmt, alles versucht, um eine Kollision zu vermeiden. (OLG Hamm, 6 U 59/12)

(Wolfgang Büser)