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Ferienjob: Darauf müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber achten

Kinder ab 15 Jahren dürfen einen vollen Ferienjob übernehmen

Der Monat ist lang und viele Kinder haben ihr Taschengeld bereits in der ersten Monatshälfte ausgegeben. Für viele Kinder kommen die Schulferien da gerade recht, um ihr geringes Taschengeld durch einen Ferienjob aufzubessern. Doch wie alt muss ein Kind sein um einen Ferienjob ausüben zu dürfen? Und wie viele Stunden darf ein Kind pro Tag arbeiten? All diese Fragen hat unser Rechtsexperte Wolfgang Büser für Sie beantwortet.

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

1938 in Dortmund geboren, arbeitete lange Zeit für eine gesetzliche Krankenversicherung und ist seit 1984 als Freier (Fach-)Journalist für Rechtsthemen tätig,

Im Fernsehen tritt er als Berater und Rechtsexperte auf und war unter anderem drei Jahre lang für die ZDF-Gerichtsshow "Streit um drei" vor der Kamera.

Heute gibt Wolfgang Büser Tipps regelmäßig unter anderem in Sendungen des ARD-Morgenmagazins (alle 2 Wochen in den "ungeraden" Wochen des Jahres), "daheim und unterwegs" (im WDR Fernsehen) sowie der "drehscheibe Deutschland" (im ZDF). Außerdem ist er mit seinen Tipps im WDR 4 sowie für mehrere Printmagazine tätig.

 

Nachfolgend hat Wolfgang Büser alle Infos rund um das Thema Ferienjob für Sie zusammengefasst.

 

Ein voller Ferienjob ist erst ab „15“ erlaubt / Sonderregel bei Hartz IV

In vier Wochen 1.116 Euro ohne Abzüge möglich

 

Schüler können ihr Taschengeld durch einen Ferienjob aufbessern. Zwar wickeln sich solche Tätigkeiten meist nicht über die Arbeitsagenturen ab. Doch muss auch in diesen Fällen von den Firmen der Jugendarbeitsschutz beachtet werden.

Das bedeutet: Unter 13 Jahren geht regulär gar nichts – von Ausnahmen abgesehen wie Teilnahme an Filmen oder Werbeaufnahmen. Mindestens 13jährige dürfen Zeitungen und Werbezettel (bis zu 2 Stunden täglich) austragen, als Babysitter tätig sein, Nachhilfeunterricht geben, Botengänge aus- und Hunde „Gassi führen“, ferner in Sportarenen oder in der Landwirtschaft (bis zu 3 Stunden täglich) mithelfen - alles gegen Bezahlung.

Und mindestens 15jährige dürfen darüber hinaus Ferienjobs übernehmen: bis zu vier Wochen im Jahr. Dabei muss es sich allerdings um Arbeiten handeln, die für junge Leute „geeignet“ sind, sie also körperlich nicht überfordern. Das Gesetz legt für die künftigen Arbeitnehmer maximal die 5-Tage-Woche (bei einer 40-Std.-Woche) fest.

Das Gewerbeaufsichtsamt wacht über die Einhaltung der Vorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes, zum Beispiel die Arbeitszeiten betreffend. Arbeitgeber, die der Missachtung überführt werden, müssen mit Bußgeldern bis zu 15.000 Euro rechnen.

Im Übrigen gelten auch für schulpflichtige Kinder ab „15“ dieselben Arbeitsschutzvorschriften wie für die jüngeren. Und arbeitsrechtlich sind dieselben Regelungen wie für erwachsene Arbeitnehmer (wozu auch der 18jährige Schüler zählt) maßgebend. Das bedeutet: Sie haben zum Beispiel Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (dies allerdings nur bei "laufenden" Beschäftigungen, nicht jedoch bei einem 4-Wochen-Ferienjob) und für gesetzliche Feiertage.

Sozialversicherungsbeiträge brauchen für Ferienjobs nicht aufgebracht zu werden - unabhängig von der Höhe des Verdienstes. Regelmäßig ausgeübte Schülerbeschäftigungen bleiben für die Schüler sozialabgabenfrei, solange sie pro Monat nicht mehr einbringen als 450 Euro. Der Arbeitgeber hat jedoch für gesetzlich krankenversicherte Schüler mit Minijob pauschal 13 Prozent für die Kranken- und generell 15 Prozent für die Rentenversicherung aufzubringen. Im Regelfall übernimmt er auch die 2prozentige Pauschalsteuer.

Völlig, also auch für die Arbeitgeber, sozialabgabenfrei sind Beschäftigungen von Schülern, die nur während der Ferien ausgeübt werden. Die Grenze liegt hier bei „zwei Monaten oder 50 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres“ – ohne Verdienstbeschränkung. In der gesetzlichen Unfallversicherung sind Schüler auf jeden Fall - für Rechnung ihres Arbeitgebers - versichert. Und der gesetzlichen Krankenversicherung gehören sie kostenfrei über ihre Eltern an, solange sie regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen oder aber ihre sonstigen Einkünfte 385 Euro monatlich nicht übersteigen (allerdings alternativ – nicht sowohl als auch).

 

Achtung! „Auf Steuerkarte“ kann (in Klasse I und IV) bis zu rund 918 Euro im Monat steuerfrei verdient werden. Versteuert der Arbeitgeber den Verdienst pauschal (mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag plus gegebenenfalls Kirchensteuer) und ist er bereit, die Steuer zu tragen, dann kann er für bis zu „18 zusammenhängende Arbeitstage“ á maximal 62 Euro = 1.116 Euro steuerfrei an seinen Mitarbeiter auszahlen. Mehr als genug, damit der davon für den Rest der Ferien „Ferien“ machen kann. Doch aus Firmensicht ist die Übernahme der Steuer regelmäßig „unnötig“ – wegen der zuvor erwähnten Möglichkeit der Schüler, den Arbeitsverdienst bis zu knapp 918 Euro „brutto“ monatlich steuerfrei einstreichen zu können.

Im Übrigen könnte sich ein Schüler, der wegen eines höheren Verdienstes steuerpflichtig geworden ist, die Abgabe im folgenden Jahr per Einkommensteuer-Erklärung vom Finanzamt meistens zurückholen. 

Urlaubsansprüche können sich allenfalls dann ergeben, wenn ein Schüler laufend (in den Grenzen des Jugendarbeitsschutzgesetzes) arbeitet. Sie betragen mindestens vier Wochen, wenn ein ganzes Jahr gearbeitet wird, ansonsten ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro Beschäftigungsmonat. „Halbe“ Monate werden aufgerundet.

Keine Sorge brauchen sich volljährige Schüler hinsichtlich des ihren Eltern zustehenden Kindergeldes zu machen: Unabhängig davon, wie hoch ihr Arbeitsverdienst durch Ferienjobs ist – das Kindergeld wird dadurch nicht beeinträchtigt.

 

Und noch etwas: Nebenverdienste von Schülern, die während der Schulferien erzielt werden, werden nur selten auf die Regelleistungen der Familie angerechnet, wenn die Eltern Bezieher von Arbeitslosengeld II sind. Für Schüler der allgemein- oder berufsbildenden Schulen, die noch keine 25 Jahre sind und keine Ausbildungsvergütung erhalten, wird ein als Arbeitnehmer erzielter Lohn nicht „bedarfsmindernd“ angerechnet, der 1.200 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt. Ferner muss er „in den Schulferien in einem Zeitraum von höchstens vier Wochen“ im Jahr erzielt worden sein (auch aufgeteilt, nicht nur „am Stück“).

Wichtig: Diese Vergünstigung gilt nicht für die von Azubis erzielte Ausbildungsvergütung. Hierfür und für andere regelmäßige Einkünfte des Nachwuchses ist vorgesehen: Der Verdienst eines Kindes, das mit seinen Eltern in einer Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft lebt, darf pro Monat nur bis zu 100 Euro komplett behalten werden. Von bis zu 800 Euro im Monat sind 100 Euro anrechnungsfrei, die restlichen 700 Euro aber nur zu 20 Prozent. Von einem 800 Euro Monats-Nebenverdienst bleiben deshalb nur (100 + 140 =) 240 Euro zusätzlich in der Familienkasse. Das ist dasselbe, als würden Mama oder Papa einen Nebenjob haben...

Schüler, deren Eltern Arbeitslosengeld I beziehen, brauchen sich keine Sorgen zu machen, gegebenenfalls „vergebens“ zu arbeiten: Ihr Verdienst beeinträchtigt die Leistungen der Arbeitsagentur für ihre Eltern nicht.