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Die häufigsten Rentenirrtümer

Sie sind unverwüstlich wie Unkraut und ansteckend wie Schnupfen: Eine Reihe von falschen, zumindest halbwahren Aussagen zum Thema „Rente“ machen unter Nachbarn und Kollegen immer wieder die Runde. Wir haben die „Top Ten“ unter dem Stichwort "Die häufigsten Rentenirrtümer" zusammengestellt – mit Augenzwinkern...

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

"Ehemänner haben keinen Anspruch auf Witwerrente!" – Wer erzählt denn sowas? Vielleicht, weil die eigene Rente der Männer so hoch ist, dass für die Witwenrente nichts übrig bleibt? Hallo? Richtig ist: Zumindest in den ersten drei Monaten nach dem Tod des Ehepartners besteht immer ein Anspruch, wenn die Ehefrau bereits eine Rente bezogen hat oder bis zu seinem Tod mindestens fünf Jahre rentenversichert war. Erst vom vierten Kalendermonat nach dem Tod des Ehegatten an kann jedoch eigenes Einkommen angerechnet werden.

 

"Die letzten Jahre vor der Rente sind besonders wichtig!" – Papperlapp! Die Rentenhöhe berechnet sich aus allen bis zum Rentenbeginn zurückgelegten rentenrechtlichen Zeiten. Dabei werden die letzten Jahre genauso behandelt wie die vorherigen Beitragsjahre auch. Beamte sollten hier mal weghören...

 

"Rente bekomme ich erst, wenn ich 15 Jahre geklebt habe!" – Wann haben Sie denn den Anschluss verloren? Richtig ist: Seit 1984 ist für einen Rentenanspruch ab „65“ nur eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erforderlich. (siehe auch: Alle müssen mit 67...)

 

"Wenn ich 45 Jahre geklebt habe, kann ich mit 60 in Rente gehen!" - Schöner Versuch – aber nix da! Durch das Gesetz "Rente mit 67" ist zwar eine besondere Wartezeit von 45 Jahren eingeführt worden. Voraussetzung für eine abschlagsfreie Zahlung ist aber, dass man 65 Jahre alt geworden ist und 45 Jahre mit Pflichtbeiträgen nachweisen kann. Es zählen jedoch keine Zeiten mit, in denen Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II (früher: „Alhi“) bezogen wurde.

 

"Alle müssen jetzt bis 67 Jahre arbeiten!" – Sind Sie in Allem der Zeit voraus? Erst ab Geburtsjahrgang 1964 soll man durchhalten, bis der 67. Geburtstag erreicht ist. Die Altersgrenze wird behutsam angehoben. Bis 1946 Geborene sind von der Gesetzesänderung gar nicht betroffen. Bei den Geburtsjahrgängen 1947 bis 1963 wird die Regelaltersgrenze stufenweise angehoben: Wer in diesem Jahr „65“ wird, für den gelten schon „65 + 5 Monate“ als Regeleinstieg.

 

"Die Abschläge für eine vorzeitige Altersrente enden, wenn ich die Regelaltersgrenze erreicht habe!" – Schön wär’s, aber wer soll das Hin und Her denn verwaltungsmäßig stemmen? Abschläge für eine vorzeitige Altersrente (also vor „65“ und „67“ - abhängig vom Geburtsjahrgang) gelten lebenslang. Das bezieht sich nur nicht auf die Glücklichen, die die 2014 eingeführte Rente ab „63“ beziehen – Stichwort „abschlagsfrei“... Aber bei einer anschließend gezahlten Hinterbliebenenrente geht die Kürzerei von vorne los.

 

"Zu meiner Rente darf ich 450 Euro hinzuverdienen, ohne dass diese gekürzt wird!" - Halbwahrheiten sind auch halb falsch... Richtig ist: Vorzeitige Alters- sowie Erwerbsminderungsrentner machen bei Nebenjobs mit maximal 450 Euro im Monat nichts falsch. Wenn es sich aber um eine Witwenrente handelt, kann Schluss mit Lustig sein. Hierfür gilt zwar ein Einkommensfreibetrag von derzeit 771 Euro netto im Monat (im Osten 714 €). Doch kann dieser Freibetrag durch den Bezug einer eigenen Rente sowie einer Betriebsrente sowie den 450 Euro aus dem Nebenjob den Freibetrag übersteigen. Dann wird so gerechnet: 40 Prozent des den 771 Euro-Freibetrages übersteigenden Euro-Betrages werden an der Witwenrente gekürzt. Beispiel: 1.271 Euro netto an eigenem Monatseinkommen – minus 771 Euro Freibetrag = 500 Euro. 40 Prozent davon macht 200 Euro, die von der Witwenrente abgezogen werden. (Freibetrag im Osten: 714 €.)

 

"Die Altersrente meines Ehepartners wird auf meine Altersrente angerechnet." - Welche Alpträume plagen Sie denn? Warum sollte denn auf die durch eigene Beitragszahlungen erworbene „eigene“ Rente die Altersrente des Ehepartners angerechnet werden? Für beide Renten sind doch jahrelang Beiträge ohne Ende geflossen...

 

"Alle Frauen können mit 60 Jahren in Rente gehen!" – Wovon träumen Sie noch? Das galt nur für Frauen, die vor 1952 geboren wurden. Sie konnten tatsächlich vom 60. Lebensjahr an – unter Bedingungen - in Rente gehen. Das ist jetzt ja für sie gar nicht mehr möglich, weil der „60.“ ja schon einige Zeit hinter ihnen liegt. Vor „65 und 6 Monaten“ geht es allerdings immer noch – allerdings nur noch für ein paar Monate. Beispiel: Eine Frau wurde am 31. Dezember 1951 geboren. Die Regel-Altersrente würde für sie am 1. Juni 2017 beginnen. Sie könnte ihre „60er“ Altersrente ab Februar 2016 abrufen – und bekäme sie mit einem Abschlag von 4,8 Prozent zugebilligt. Wartet sie das 2017er Datum ab, geht’s ohne Abschläge...

 

"Der Versorgungsausgleich nach einer Scheidung ist endgültig!" – Geht’s noch? Im Rentenrecht ist kaum einmal etwas „endgültig“. Seit Juli 1977 gibt es den Versorgungsausgleich nach Ehescheidung. Grundsätzlich ist der zwar endgültig. Aber es gibt unter anderem die Ausnahmeregel, dass dann, wenn der Ex-Ehepartner, der vom Versorgungsausgleich profitiert hat, innerhalb von drei Jahren nach der Scheidung stirbt, der überlebende Partner Antrag auf Rückführung der ihm abgezogenen Beträge stellen kann – für die Zukunft.

 

"Eine Reha führt zur Kürzung der späteren Rente!" – Nur keine Panik! Eine Rehabilitation mindert die spätere Rente nicht.

 

"Die Rente kommt automatisch!" – Wo leben Sie denn? Wir in Deutschland – das gilt aber vermutlich überall auf der Welt. Alle Leistungen aus der Rentenversicherung müssen beantragt werden.