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Dürfen Mieter bauliche Veränderungen an ihrer Wohnung vornehmen?

Bauliche Veränderungen an Mietwohnungen

Möchte ein Mieter einige Änderungen an seiner Wohnung vornehmen, kann dies weitreichende Folgen haben. Große Umbauten, die in die bauliche Substanz der Wohnung eingreifen, sind in der Regel nicht erlaubt und  müssen vom Vermieter freigegeben werden. Nur kleinere Veränderungen, die auch wieder rückgängig gemacht werden können, dürfen ohne Zustimmung des Vermieters durchgeführt werden.

 

Unser Rechtsexperte

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist und sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.

Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.

Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

 

Urteile zum Mietrecht hat unser Experte für Sie kommentiert:

Bauliche Veränderung nur mit Vermieters Segen

Ein Vermieter kann im Mietvertrag vereinbaren, dass bauliche Veränderungen an seinem Eigentum nur mit seiner schriftlichen Einwilligung vorgenommen werden dürfen. Dabei sei es unerheblich, so das Amtsgericht München, ob eine vom Mieter in Eigenregie durchgeführte Veränderung zu einer Verbesserung der Wohnqualität führt oder ob sie optisch nicht stört. Hat eine Mieterin eine Balkonverglasung angebracht, ohne den Vermieter zu informiere, so kann der darauf bestehe, dass die Verglasung wieder entfernt wird. Das gelte auch dann, wenn die Mieterin argumentiert, die Fenster in der Wohnung seien undicht und verschlissen, was durch die Verglasung teilweise aufgefangen werde. Und auch der Einwand, dass die Verglasung fachmännisch angebracht worden ist ohne auch wieder entfernt werden könne, ohne Spuren zu hinterlassen, zog nicht. Ist die Klausel im Mietervertrag klar und verständlich, so schließe sie eine „eigenmächtig durchgeführte Veränderung“ ausdrücklich aus. (AmG München, 472 C 7527/12)

 

Die Zustimmung zu einem Umbau kann auch mündlich gegeben werden

Kann ein Mieter nachweisen, dass sein Vermieter ihm die mündliche Zustimmung zu einer "baulichen Veränderung" in seinem Einfamilienhaus gegeben hatte, so kann der Vermieter ihm nicht (hier: 4) Jahre später das Mietverhältnis aufkündigen mit der Aufforderung, den vorherigen Zustand wieder herzustellen. Er hätte den Umbauplan sofort beanstanden müssen. (Hier ging es um den Abriss einer Wand in der Wohnung und den Einbau eines Kamins. Den "alten Zustand wieder herstellen" muss der Mieter erst, wenn er aus dem gemieteten Haus auszieht. (LG Lüneburg, 6 S 80/12)

 

Gegen Fliegengitter gibt es nichts einzuwenden

Hat ein Mieter ein Fensterfliegengitter angebracht, um sich vor Mücken und anderen Insekten zu schützen, so darf der Hausverwalter das Gitter nicht einfach wieder abmontieren. Das, so das Amtsgericht Springe, stelle eine verbotene Eigenmacht dar. Der Vermieter müsse sich das Fehlverhalten seines Verwalters zurechnen lassen. Das gelte insbesondere dann, wenn ein Sachverständiger - auch ohne eine weitere, vom Vermieter geforderte „chemische Analyse“ - feststellt, dass ein Schaden durch die Fliegengitter nicht zu erwarten sei. (AmG Springe, 4 C 292/09)

(Wolfgang Büser)