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Bis zu 500 Euro pro Jahr weniger für Kinder

„Unbekannte“ Details zu den neuen Unterhaltstabellen:

Bis zu 500 Euro pro Jahr weniger für Kinder

Die neuen „Unterhaltrechtlichen Leitlinien“ 2018 zum Kindesunterhalt sind recht unspektakulär veröffentlich worden – wie fast jedes Jahr. Beim zweiten Blick aber (und vielleicht bei der ersten Überweisung in 2018) wird deutlich, dass sie mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten. Denn faktisch haben fast alle unterhaltsberechtigten Kinder geschiedener oder nur getrennt lebender Eltern von Januar 2018 an weniger in der Tasche. Und das liegt an einer Veränderung in der Tabelle, die auf Ausgangswerte von vor knapp zehn Jahren zurückgeht.

Wolfgang Büser, Wirtschaftsjournalist. sparen.de-Experte für alle Rechtsfragen.
 
Nach ca. dreißig Jahren im öffentlichen Dienst ist Wolfgang Büser, im Übrigen auch als Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Wirtschaftsjournalist für Tageszeitungen, Wochenzeitungen sowie Monatszeitungen tätig. Herr Büser steht Verbrauchern regelmäßig im ARD-Morgenmaga­zin, in der ZDF-Dreh­scheibe, zwei Landesfernseh- sowie verschiedenen Rundfunkanstalten mit Rat und Tat zur Seite.
 
Überdies war Herr Büser für die Fernsehsendungen ZDF-„Streit um drei“, ZDF-„Kerner“ und das SAT.1-Frühstücks­fern­se­hen als Rechtsexperte tätig.

Pierre (15) lebt seit der Scheidung seiner Eltern bei seiner Mutter Susi. Vater Joachim ist zu Unterhalt verpflichtet, und die rechtlichen Dinge - insbesondere für Pierre – hat das ehemalige Paar sachlich geregelt. Der Unterhalts-Anspruch des 15jährigen im Jahr 2017 Betrug gegen seinen ganz ordentlich verdienenden Papa laut Düsseldorfer Tabelle noch 589 Euro monatlich – die Anrechnung des Kindergeldes einmal unberücksichtigt gelassen. (Auf Pierres Bruder soll hier vereinfachend nicht eingegangen werden.)  

In 2018 hat der Vater - rein rechtlich – eine Unterhaltsverpflichtung in Höhe von nur noch 561 Euro. Das sind immerhin 28 Euro pro Monat, was 336 Euro im Jahr ausmacht, die Pierre für Kino, Kleidung oder Sonstiges weniger zur Verfügung hat. Wie kann das sein? Es wird doch „immer alles teurer“ – auch für Scheidungskinder. Ja. Aber auch für die Unterhaltszahler...

Deswegen wurden zum Jahreswechsel 2017/2018 die Einkommensgruppen der Düsseldorfer Tabelle, die auch im übrigen Bundesgebiet angewandt wird, jeweils um 400 Euro angehoben, so dass der „Einstiegswert“ (der Mindestunterhalt) nun nicht mehr für die Gruppe „bis 1.500“ sondern künftig für die „bis 1.900“ Euro Netto-Verdiener maßgeblich ist. Die höchste Stufe, ab der nach den Umständen des Einzelfalles entschieden wird, beginnt nun mit 5.501 Euro Nettoeinkommen (bisher ging es mit 5.101 € los). Die vier Altersstufen sind geblieben: 0-5, 6-11, 12-17 und „ab 18“ Jahre.

Hintergrund dieser Maßnahme ist, dass der Mindestunterhalt stetig gestiegen ist, der - anders als der pauschalierte Bedarf eines Kindes - nicht nach den Einkommensverhältnissen der Eltern, sondern nach dem einkommensunabhängigen Existenzminimum bestimmt wird. Wie sich auch die Bedarfssätze der einzelnen Altersgruppen regelmäßig erhöht haben – die Einkommensgruppen aber nicht. Um dieses Missverhältnis zwischen steigenden Unterhaltssätzen auf der einen und gleichbleibende Nettoeinkommen auf der anderen Seite zu bremsen, wurden die Einkommensgruppen angepasst. Auch die sinkende Kaufkraft der einzelnen Einkommen ist mit eingeflossen.

Das Ganze führt nun dazu, dass einzig und allein die Kinder, denen der Mindestunterhalt zusteht, sich zum letzten Jahreswechsel über eine – wenn auch überschaubare - Erhöhung freuen durften. Je nach Altersklasse gibt es 6 oder 7 Euro mehr (die Volljährigen gehen aber bereits hier leer aus).

Ein weiteres – wohlgemerkt vereinfachtes - Beispiel: Ein 8jähriges Mädchen, dessen getrennt lebender Vater 2.000 Euro netto verdient, hatte im Jahr 2017 einen Unterhaltsanspruch in Höhe von 433 Euro pro Monat in der Unterhaltsstufe 3. Zwar ist der Satz an sich in der Stufe 3 laut Tabelle um 6 Euro gestiegen: auf 439 Euro. Die Verschiebung des „Einstiegs-Einkommens“ um 400 Euro „nach oben“ hat aber dazu geführt, dass die Tochter fortan in der Stufe 2 zu finden ist. Und dort stehen „nur“ 419 Euro zu. Ein Minus von 14 Euro im Monat – im Jahr sind das immerhin 168 Euro.

Auch in der „Gutverdiener-Szene“ gibt es hohe Einbußen: Ein(e) Volljährige(r), deren (dessen) Unterhaltsverpflichtete(r) 4.500 Euro verdient, erhält 516 Euro pro Jahr - 43 Euro mal 12 Monate - weniger (auch hier alle möglichen Zu- und Abschläge sowie Anrechnungen wie das Kindergeld außen vor gelassen).

 

Vereinfachte (Unterhalts-)Tabelle 2018*:

 

 

Netto

Alter

0 - 5

Alter

6 - 11

Alter

12 - 17

Alter

ab 18

 

 

 1.

bis 1.900

348

399

467

527

 2.

1.901 – 2.300

366 - 11

419 - 14

491 - 15

554 - 26

 3.

2.301 – 2.700

383 - 11

439 - 13

514 - 15

580 - 27

 4.

2.701 – 3.100

401 - 10

459 - 13

538 - 14

607 - 26

 5.

3.101 – 3.500

418 - 20

479 - 25

561 - 28

633 - 42

 6.

3.501 – 3.900

446 - 20

511 - 24

598 - 28

675 - 42

 7.

3.901 – 4.300

474 - 19

543 - 23

636 - 27

717 - 42

 8.

4.301 – 4.700

502 - 18

575 - 24

673 - 27

759 - 43

 9.

4.701 – 5.100

529 - 19

607 - 22

710 - 26

802 - 42

10.

5.101 – 5.500

557

639

748

844

 

*) die fett markierten Zahlen zeigen, in welchen Einkommensgruppen die zu leistenden Zahlungen im Vergleich zu 2017 geringer ausfallen.